Letztes Update am Di, 05.06.2018 09:20

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wien-Konzert

Die mit dem Fisch tanzt: Katy Perry überflutete die Reize in Wien

Die Show, die Sängerin Katy Perry bei ihrem Auftritt in Wien ablieferte, war überwältigend. Die stimmliche Darbietung konnte nicht überzeugen.

© APASelten war Katy Perry in Wien alleine auf der Bühne.



Wien – Katy Perry hat am Montag im Rahmen ihrer „Witness“-Tour in Wien Station gemacht. Man wurde Zeuge einer optischen Reizüberflutung und einer mäßigen musikalischen Darbietung. Eindrucksvoll waren manche, aber nicht alle Show-Einlagen: Ein Tänzchen mit einem „Haifisch“ war ebenso daneben wie mancher Kommentar der Sängerin, die sich in der Stadthalle zu oft dem Kreischen hingab.

Die laut Veranstalter 12.500 Fans zückten ihre Handys und lärmten, als kurz vor 21 Uhr das Intro durch den Saal dröhnte, Nebel waberte und ein riesiges Auge hinter der Bühne als überdimensionale Lichtorgel fungierte. Kaum war Katy Perry im goldenen Glitzeranzug auf einem Stern herangeflogen gekommen, ging die Lautstärke in Heavy-Metal-Dimensionen in die Höhe, überschlugen sich die Töne. Mit „Roulette“ startete die Dauer-Animation: Aus Mega-Würfeln kraxelten Tänzerinnen, Stillstand schien an diesem Abend verpönt, so dass kaum Zeit blieb, die gebotene Action zu verdauen.

Bloß kein Stillstand

Ein Konfettiregen begleitete die 33-jährige Hit-Lieferantin, deren neue Songs beim Konzert im Vergleich zu früheren Erfolgen wie „I Kissed A Girl“ oder „Roar“ eklatante Schwächen aufwiesen, beim ersten Ausflug über einen Laufsteg. Später leisteten Riesen-Flamingo-Puppen, ebensolche Insekten und die Armada an Showgirls, bei „Chained To The Rhythm“ in roten Latexstiefeln- und -oberteilen sowie mit einem Fernseher am Kopf, der Amerikanerin Gesellschaft. Und wenn Perry mal alleine im Rampenlicht stand und nichts zu singen hatte, klemmte sie das Mikro in den BH und schlug ein Rad.

Meistens zeigte sich die Sängerin mit Background-Tänzern.
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Während die Band manche Songs ins akustische Tohuwabohu führte (etwa bei „E.T.“) oder die Rhythmusmaschine an den Drums gnadenlos den Beat über alle Ansätze musikalischer Nuancen hämmerte, sang Perry mal besser mal schlechter, aber selten wirklich überzeugend – außer bei der Ballade „Wide Awake“, zu der die Entertainerin auf einem Planeten in schwindelerregender Höhe durch eine Sonnensystem-Kulisse quer durch den Saal flog und bei reduziertem Arrangement zum ersten und einzigen Mal Wärme in der Stimme spüren ließ. Da passten Effekt und Musik zusammen.

„California Gurls“ als grell-bunte Cocktailparty klappte auch ganz gut. Aber die Faxen, die Perry dann mit einem Menschen in einem Haifischkostüm abzog (ein solches gab es an einem Stand um läppische 150 Euro neben einem T-Shirt um 50 Euro und Flip Flops um 60 Euro zu kaufen), waren ebenso daneben wie der Kommentar zu ihrem BH mit Augen: „Ich wollte, dass meine Titten zwinkern können.“ Wenn Perry irgendwann ein erwachsenes Publikum erreichen möchte, muss sie mehr bieten als Schwebebalken, aus dem Boden schießende Rosen, die als Pole-Dance-Stange herhalten, oder sich von riesigen Salz- und Pfefferstreuern (sic!) würzen zu lassen.

Die Verkleidungen muteten zum Teil recht seltsam an.
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