Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Musik

„Hip-Hop ist mehr als Kollegah“

Die Musikerin Sookee will mit ihren feministischen Texten beweisen, dass Hip-Hop durchaus auch literarische Qualitäten hat.

Die Berliner Rapperin Sookee.

© Eylül AslanDie Berliner Rapperin Sookee.



Innsbruck – Dicke Autos, viel nackte Haut, derbe Sprüche. Klischees und eine bestimmte Attitüde spielen im Hip-Hop eine große Rolle. Dass die Subkultur der Gegenwart mit ihren Texten auch literarische Ansprüche hat, ist wenig bekannt. Doch es tut sich einiges, auch im Hip-Hop. Sookee, Berliner Rapperin, ist eine der Vertreterinnen einer neuen Bewegung in der Rapmusik: In ihren Texten widmet sie sich vor allem Themen wie Feminismus, Sexismus und Rassismus. Außerdem werden ihre Texte zum Gegenstand von Lesungen. So auch morgen in Innsbruck, im Literaturhaus am Inn, das Sookee die Veranstaltung „Literatur in Rhymes“ widmet. „Ich werde meine Songs nicht performen, sondern sozusagen als A-cappella-Variante vorlesen und hoffe dabei auf neue Lesarten, die hoffentlich auch das Publikum einbringen kann“, verrät Sookee im TT-Gespräch.

Obwohl sich die 34-jährige Berlinerin schon immer für Literatur interessierte, sah sie eine derartige Entwicklung für sich nicht voraus: „Anfangs ging ich einen sehr klassischen Weg, fand mich ein in dieser Subkultur und imitierte die Attitüde, auch um einfach dazuzugehören“, erklärt Sookee. Das typische Frauenbild habe sie damals schon gestört, sie sah allerdings für sich noch nicht die Möglichkeit, diese fixen Muster zu durchbrechen. Erst durch ihr Studium und die theoretische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen keimte der Wunsch einer Veränderung der Sichtweise. Mit ihrem Engagement für Geschlechtergleichheit und gegen Rassismus und Homophobie ruft die queere Musikerin auch viel Kritik auf den Plan. Trotzdem wählt die Berlinerin stets klare Worte. Mit Gehalt: „Hip-Hop hat eben mehr zu bieten als Kollegah und Bushido.“ (bunt)

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