Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.06.2018


Tirol

Ein halbes Leben für die „Alte Musik“

Er kam zum Studium und blieb auch wegen der Musik – Kirchenmusiker Peter Waldner.

© StegmayrBarockmusik ist seine Leidenschaft, kreatives Gestalten sein Ziel: Peter Waldner an der Orgel der Pfarrkirche Mariahilf.Foto: Stegmayr



Innsbruck – Eigentlich kam der gebürtige Südtiroler Pete­r Waldner lediglich zum Studium der Germanistik und Musikwissenschaft nach Innsbruck. Er blieb aber und feiert am 17. Juni mit einem Festkonzert in Mariahilf sein 30-Jahr-Jubiläum als Kirchenmusiker und künstlerischer Leiter der Konzertreihe „Innsbrucker Abendmusik“.

Ganz überraschend ist es nicht, dass der aus Mals stammende Waldner in der Tiroler Landeshauptstadt im Stadtteil Mariahilf sesshaft wurde. Denn Innsbruck ist seit jeher ein sehr gutes Pflaster für die „Alte Musik“. Auch dass er bald nach seiner Ankunft, 1993, eine Stelle als Dozent am Tiroler Landeskonservatorium erhielt, band ihn längerfristig an diesen Ort.

Damals jedoch, 1986, zog ihn ursprünglich die gerade eben fertig gestellte Orgel in der barocken Kirche in Mariahilf an. Ebenjene bot eine gute Gelegenheit für den Orgel-, Klavier- und Cembalostudenten, um sich Barockmusik im barocken Rahmen zu erarbeiten und zu üben. Bald darauf entstand die Konzertreihe „Innsbrucker Abendmusik“ aus der Intention heraus, Barockmusik in akustisch und atmosphärisch adäquatem Umfeld darzubieten. Dass es zu dieser Zeit laut Waldner schwierig bis unmöglich für junge heimische Musiker war, bei den zu dieser Zeit schon bestehenden „Innsbrucker Festwochen der Alten Musik“ zu spielen, gab einen weiteren Anstoß zur Initiierung.

Dem Ort Mariahilf blieb er stets treu – ob als Organist, Cembalist, Fortepiano-Spieler, Chor- und Ensembleleiter, konzertierender Musiker, bei den Vorbereitungen seiner CD-Aufnahmen oder als künstlerischer Leiter der „Innsbrucker Abendmusik“, deren im Jahr 2000 gegründeter Trägerverein hier nach wie vor seinen Sitz hat. „Das alles hilft mir dabei, am Boden zu bleiben“, sagt Waldner über seine vielfältigen Aufgaben und Rollen. „Als Kirchenmusiker bin ich außerdem in konkrete Abläufe und Lebensbewegungen eingebunden“, spricht Waldner weiters etwa die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten, Beerdigungen und Hochzeiten an. Letztlich aber sei „kreatives Gestalten“ das, was er anstrebe.

Ebendiesem „kreativen Gestalten“ hat er in zahlreichen Konzerten als freischaffender Berufsmusiker in ganz Europa Ausdruck verliehen. Ebenso wichtig ist ihm aber augenscheinlich nach wie vor seine Unterrichtstätigkeit und die Arbeit mit jungen Menschen, die er für den Musikerberuf ausbildet. „Beide Bereiche stehen in einem engen Verhältnis und dienen mir als Inspiration für meine eigene Weiterentwicklung und Konzerttätigkeit“, meint Waldner dazu.

Er scheint jedenfalls die für ihn richtige Balance gefunden zu haben. Er ist Dozent, Kirchenmusiker, nach wie vor künstlerischer Leiter der „Innsbrucker Abendmusik“ und nicht zuletzt freiberuflicher Musiker. Er wirkt entspannt und zufrieden mit seinem bisherigen Lebenswerk und seinem derzeitigen Berufsleben. (mst)