Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.06.2018


Musik

Herbert Pixner Projekt: Groß, größer, elektrisierend

Mit „Lost Elysion“ verabschiedet sich Herbert Pixner von den „kleinen“ Songs. Und wagt Größe, der er auch gerecht wird.

© PertlDas erste Mal live mit "Lost Elysion" (erscheint am 27. Juli bei Three Saints Records). Das elektrisierte Publikum bedankte sich mit Ovationen.



Innsbruck – Wie weit geht progressiv? Das scheint Herbert Pixner herausfinden zu wollen. In knapp einem Monat veröffentlicht das Herbert Pixner Projekt sein neues Projekt, das Album „Lost Elysion“. Am letzten Freitag wagten die Musiker vor ausgewähltem Publikum die Probe aufs Exempel.

Pixner selbst war gespannt, wie der neue Stil, die stete Weiterentwicklung beim Publikum ankommen. Ein halbes Jahr Arbeit steckt immerhin im neuen Album, das mit elf Songs aufwartet. Zumeist aus der Feder des Namensgebers. Auch wenn Pixner inzwischen viel Verantwortung an den ebenso genialen Musiker Manuel Randi abgibt, der mit seinen Gitarrenriffs das durchaus rockige Album prägt. Ruhige Songs wie „Anna“ bleiben auf der neuen Scheibe nämlich eine Seltenheit. Was nicht negativ zu werten ist. Auch Pixner selbst erklärt: „Die ‚kleinen‘ Stücke, die wir damals noch ohne Manuel gespielt haben, waren gut für eine kleine Bühne. Inzwischen muss es schon größer sein.“

Der bisherige Erfolg hat also Mut geweckt. Mut zum Weiterexperimentieren und Mut zum Effekt. Denn nicht mehr nur die Randi’sche Stratocaster, sondern auch Pixners Harmonika kann einiges an Effekten verkraften. Diese bekommt an einigen Stellen einen so starken Drive, dass sie klangtechnisch eher zum Keyboard avanciert. Zu jenem der späten, psychedelischen Sechziger. Und dazu passen natürlich auch die schreddernden Töne der E-Gitarre, die schon mal mit einem klassischen Metalriff daherkommt. „Toccata from another world“ ist ein ideales Beispiel dafür. Das Pixner Projekt verarbeitet darin die Eindrücke der Flüchtlingswelle auf ihre Art. Auch ohne Worte lässt sich viel Geschichte vermitteln.

So wolle man auch weiterhin auf Text verzichten, das Projekt bleibt trotz neuer elektronischer Helfer instrumental. Kein Problem, stechen beim neuen Album mit Metaleinschlag vielmehr die fehlenden Drums ins Ohr. Vielleicht wäre das aber auch ein Schritt zu weit. Pixner bleibt eben Pixner. Charakterstark und vielseitig. Die Combo brilliert im Blues (bei „Bluesky“) und auch im Country (bei „American Polka“). Zentral steht aber der Ohrwurm „Electrifying Overture“, der vorab online Stimmung aufs neue Album macht. Und eine logische Folge zu Songs wie „Scirocco“ darstellt. Da fliegen die Funken! (bunt)