Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.06.2018


Musik

“Ge bitte“ von Granada: Im Sommer in die Sauna

Granada veröffentlichen mit „Ge Bitte“ ihr zweites Album. Eine Platte, auf der die Grazer Combo sowohl ihren Stil als auch ihre eigene Sprache gefunden hat.

© Carina AntlGranada gehen im November auf Tour durch Österreich; bisher leider ohne Zwischenstopp in Tirol.Foto: Carina Antl



Innsbruck – „Wir haben eine Kleinigkeit zu feiern“, verkündete Sänger Thomas Petritsch beim Auftritt von Granada am vergangenen Sonntag auf der FM4-Bühne am Donauinselfest. Er meinte damit den Release des neuen Albums „Ge Bitte“, der genau einen Tag zuvor angestanden war.

Die neue, inzwischen zweite LP ist auch wirklich ein Grund zum Stolzsein, passt doch heuer bisher kein heimisches Album derart zum Sommer wie die sonnige Scheibe von Granada. Bereits vom Debüt der Grazer war man einiges gewohnt: Das Album von 2016 hatte bereits ein paar Ohrwürmer zu bieten. Die Jungs, Gitarrist Lukacz Custos, Drummer Roland Hanslmeier, Bassist Jürgen Schmid und Akkordeonspieler Alexander Cristof gesellten sich dafür zu Sänger Petritsch, der bereits als Effi als Solokünstler durch die Lande getingelt war. Gemeinsam entwickelte man das Debüt, das man mit dem Bandnamen betitelte. „Granada“ beinhaltete schon länger abgehangene Titel, die bereits live gespielt wurden; die Scheibe war somit geprägt von unterschiedlichen Experimenten. War das 2016er-Debüt ein Suche, so erzählt das aktuelle „Ge Bitte“ vom Finden: vom Finden eines Stils und vom Finden einer Sprache, die für Granada stehen.

Zuerst zum Stil: Spricht der Einführungstext zum Album noch von den „neuen Bilderbuch und Wanda“, so wird beim Anhören des Longplayers doch gleich klar: So einfach ist es nicht. Und soll es nicht sein, denn Granada braucht dieses Austro-Label gar nicht. Ja, die Texte sind in Mundart verfasst, aber die Themen und die Instrumentierung – mit Unterstützung von Ärzte-Produzent Oliver Zülch – international ausgerichtet. Und der Sound funktioniert. Am auffälligsten dabei: die cleane Indiegitarre, die in den Soli an Drive zulegt, ansonsten aber klar bleibt, gleich wie die eingängigen Melodien und Riffs. Durch den feinen (und nicht aufdringlichen) Einsatz des Akkordeons bekommt die Indiepartie einen Folk-Charme, der Spaß macht.

Dass der Sound vor allem auch der Band Spaß macht, zeigt sich live und nicht zuletzt in den Videos von Granada. „Berlin“ wurde zeitgleich mit dem neuen Album veröffentlicht und rechnet auch visuell mit der enttäuschten Liebe ab, die sich mit einer neuen Flamme nach „Scheiß Berlin“ verflüchtigt.

Granada ist aber nicht nur Alberei (witzigster Höhepunkt ist wohl der Song „Sauna“), das zeigen das Video und der Track „Stadt“ ebenso wie „Mallorca im Regen“, die einen gewissen Zynismus zwischen den Zeilen durchscheinen lassen. In der Sprache des neuen Albums angekommen, lässt sich den Texten von Frontman Petritsch an einigen Stellen sogar eine gewisse Düsterheit unterstellen. Ein dunkler Ton, der sich allerdings weit weg vom morbiden Wien bewegt. Granada ist eben Graz und nicht Wien. Grundlegend leichtfüßig und somit ideal für diesen Sommer, der eben auch einige Regentage kennt. (bunt)

Indiepop Granada: Ge Bitte, Kamarama/Sony.




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