Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.07.2018


Musik

Schwazer Serenaden: Klangzauber im stillen gotischen Kreuzgang

Die sommerlichen Schwazer Serenaden, die längste durchgehende Konzertreihe Österreichs, werden 70. Walter Knapp ist seit Beginn dabei.

© Schwazer SommerkonzerteDer Gitarrist Walter Kirchmair und Edgar Gredler, ehemaliger Solocellist des Bayerischen Rundfunkorchesters, sind seit vielen Jahren ein Duo und gehören zu den Schwazer Serenaden.



Von Ursula Strohal

Schwaz – Es liegt ein besonderer Geist über dem gotischen Kreuzgang des Schwazer Franziskanerklosters und ein Zauber, wenn darin musiziert wird. Das Ambiente ist unvergleichlich, ob man nun in lauen Juli- und Augustnächten im Innenhof den musizierenden Menschen und Vögeln lauschte, oder in der Kreuzgang-Dämmerung sich weder von den Tönen lösen kann noch von den faszinierenden schwarzen Wandzeichnungen, mit denen der Dürer-Schüler Pater Wilhelm von Schwaben in den Jahren um 1520 die Passion Christi erzählte und dabei von seiner Zeit berichtete.

Dort hat André Gredler, Geiger, Schwazer Musikschulleiter und Ausgangspunkt einer wachsenden Musikerdynastie, 1948 die erste Serenade initiiert und mit seinen Schülern sowie begabten Hobbymusikern gestaltet. Zwei Jahre vorher schon hatt­e er an verschiedenen Orten Konzertmöglichkeiten erprobt. Nach hartem Beginn in der Nachkriegszeit ging es aufwärts: Bekannte Solisten wurden für anspruchsvolle Programme eingeladen, Einheimische und Gäste fanden sich ein und lernten ihre auf sieben Abende anwachsende sommerliche Konzertreihe zu lieben, erste finanzielle Unterstützungen halfen, die Veranstaltung zu stützen.

In Walter Knapp, der 1960 sein Schulmusik- und Violin­studium am Salzburger Mozarteum abschloss und mit Gredler prägend für das Schwazer Musikleben wurd­e (Musikkollegium, Kirchenmusik, Konzerte), hatte Gredle­r eine unverzichtbare Kraft an seiner Seite.

Mit Kenntnis, Feinsinn und seinem Idealismus gestaltet Knapp die Schwazer Serenaden bis heute (siehe dazu das Interview links). Sie bilden gemeinsam mit der Orgelfest-Reihe die „Schwazer Sommerkonzerte“.

Bei dem Eröffnungskonzert mit dem quartett.kultur.tirol morgen Mittwoch im verglasten Kreuzgang des Franziskanerklosters wird in einem kurzen Festakt das Jubiläum „70 Jahre Serenaden“ begangen.

Die Konzerte spiegeln wieder die Mischung aus exzellenten heimischen Musizierenden, Gästen und Traditionen. Seit 30 Jahren ist das Concilium musicum Wien in Schwaz dabei, seit 1982 bilden die Salzburger Mozart­solisten den krönenden Abschluss. Violoncellist Edgar Gredler ist der Sohn des Serenadengründers, Hornist Michael Gredler dessen Enkel. Das Minetti Quartett wird Thomas Larchers 3. Streichquartett „Madhares“ aufführen.

Walter Knapp im Interview

Herr Knapp, wann kamen Sie in Kontakt mit den Schwazer Serenade­n?

Walter Knapp: 70 Jahre — das bedeutet auch für mich persönlich ein Jubiläum, denn ich habe bereits bei der ersten Serenade im Juli 1948 als jugendlicher Geiger im Alter von 13 Jahren mitgewirkt.

Was prägt die Serenaden, was ist für Sie vorrangig?

Knapp: Die Konzerte sollen Freude bereiten. Wichtig sind musikalische Qualität und Abwechslung, außerdem sollen immer mindestens zwei Tiroler Ensembles dabei sein. Erstaunlich ist, dass Solisten und Ensembles, die weltweit auftreten, in Schwaz musizieren und dass alle gerne wiederkommen. Seit Beginn ist keine einzige Serenade ausgefallen.

Gibt es schon Pläne für die Zukunft?

Knapp: Wenn alles nach Plan verläuft, werde ich 2020 die künstlerische Leitung und Organisation an Frau Dr. Sonja Melzer übergeben. Sie leitet die Landesmusikschule Schwaz, ist eine ausgezeichnete Geigerin und vereint musikalische Kompetenz mit Organisationstalent.

Und Sie widmen sich verstärkt Ihrem Figurentheater, zeigen Mozarts „Bastien und Bastienne", den „Feuervogel" und Ihr­e anderen Stücke?

Knapp: Schon seit meiner Kindheit fasziniert mich das Eigenleben der Marionetten. Ich habe eine entsprechende Ausbildung gemacht und jetzt 25 verschiedene Marionetten. Mit meiner Partnerin spiel­e ich im Rahmen des Kulturservice in Schulen, und im November veranstalten wir dann wieder unser jährliches Internationales Figurentheaterfestival in Schwaz.

Das Gespräch führte Ursula Strohal