Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.07.2018


Ambraser Schlosskonzerte

Vom Wohlklang der wohlfokussierten Luft

Alles andere als heiße Luft: Zum Start der Ambraser Schlosskonzerte wurde an den großen Innsbrucker Instrumentenbauer Rudolf Tutz erinnert.

© HauserBarthold Kuijken, Claire Genewein, Marion Trupel-Franck, Eva Ivanova-Dyatlova und Luis Martinez eröffneten am Dienstagabend die diesjährigen Ambraser Schlosskonzerte. Das nächste findet am 24. Juli, 20 Uhr, statt.



Von Markus Hauser

Innsbruck – Erstklassige Blasinstrumente haben leider einen großen Nachteil. Ein Musiker kann nie und nimmer einen missratenen Ton der Qualität des Instrumentes zuschreiben. Das Instrument atmet den Atem des Musikers, kann durch den Odem seines Spielers zur erfüllenden Seele eines Werkes werden.

Ganz im Zeichen des vergangenes Jahr verstorbenen Innsbrucker Instrumentenbauers Rudolf Tutz stand das erste Ambraser Schlosskonzert am Dienstagabend. Tutz, ein Perfektionist, legte seine ganze Kraft in die Seele seiner Instrumente, feilte mit Akribie an jeder noch so kleinen Nuance, um deren Klangqualität zu optimieren. Ob Flöten, Klarinetten, Bassetthörner, Chalumeaux, Oboen oder Trompeten, auf der ganzen Welt sind die Instrumente des Rudolf Tutz hochgeschätzt.

Mit den Traversflötisten Barthold Kuijken, Wegbegleiter über Jahre, sowie Claire Genewein, Marion Treupel-Franck, Eva Ivanova-Dyatlova und Luis Martinez, der für die aus gesundheitlichen Gründen verhinderte Linde Brunmayr-Tutz einsprang, atmeten die Tutz-Instrumente ganz offensichtlich den eingangs erwähnten erfüllenden Atem.

Lars Ulrik Mortensen, seit vierzig Jahren regelmäßiger Gast bei den Innsbrucker Festwochen und ein weiterer Weggefährte von Rudolf Tutz, zeigt sich einmal mehr als Cembalist allerhöchster Güte.

Zum Auftakt fünf Traversflöten: Joseph Bodin de Boismortiers Konzerte Nr. 2 a-Moll und Nr. 3 D-Dur für 5 Flöten op. 15. Barthold Kuij­ken führt die junge Generation mit vollendeter Eleganz durch die heiteren, auf Gefälligkeit ausgerichteten Werke. Alles abverlangend, die Aufmerksamkeit des Publikums fordernd, eine Musik, die experimentiert, die stürmt und drängt, Claire Genewein und Marion Teupel-Frank, haben in Wilhelm Friedemann Bachs Triosonate für 2 Traversflöten und Basso continuo D-Dur Fk 47 wahrlich alle Hände voll zu tun und meistern das Werk mit vitalem Klang.

J. S. Bachs Chaconne aus der Partita für Violine Nr. 2 d-Moll BWV 1004 lässt sich auch am Cembalo bewerkstelligen. Und wie! Lars Ulrik Mortensen verwandelt sie in einen virtuosen, atemberaubenden Klangrausch voller Finesse. Barthold Kuijken solo gibt es mit J. S. Bachs Partita für Traversflöte a-Moll BWV 1013. Geradezu zelebriert, zeigt sie den wahren Meister.

Der zweite Teil des Abends eröffnete völlig andere Klangwelten: Tutz Frequenz in der Besetzung Teddy Ezra, Ido Azrad und Janis Tretjuks packen ihre Chalumeaux aus und finden in Werken von Wolfgang Amadeus Mozart zwar nicht den Revoluzzer Mozart, aber alle erdenklich intime Klangschönheit.

Mit Christoph Graupners Ouverture in C, Menuett und Gavotte für 3 Chalumeaux GWV 401, darf man einen vernachlässigten Komponisten der Musikgeschichte kennen lernen. Wehmut in der Freude, Heiterkeit in der Melancholie, mit Klezmer-Musik verabschiedet man ein begeistertes Publikum.