Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.07.2018


Musik

Wiener Schmäh unter freiem Tiroler Himmel

© Simon PfohlStilecht: Die vier Männer und eine Frau von "5/8erl in Ehr’n" klingen live wie auf Platte.



Hall in Tirol –Wollt ihr den totalen Sommerhit?“, fragt Sänger Bobby Slivovsky ohne Skrupel das Publikum. Und die Besucher wollen, nach zögerlichem Lachen, doch. Dabei gierten die Besucher im Stromboli-Gastgarten (der Krippgasse in der Altstadt) gar nicht nach ausschweifendem Feiern. Die Stimmung unter freiem Himmel war vielmehr dem lauen Sommerabend angepasst: gemütlich und lauschig. Da passt­e eben auch „Der Totale Sommerhit“ von 2014 dazu.

Gleich wie der Rest der Musik der Wiener Combo 5/8erl in Ehr’n, die das Publikum mit ihre­r schrägen Melancholie einlullte. Und das nicht zum ersten Mal, die Formation ist gern gesehener Gast im Stromboli. Mit ihrem aktuellen Album „Duft der Männer“ gastierten sie das erste Mal im Haller Kulturlabor.

Der erste Song des Albums, „Badeschluss“, eröffnet auch gleich den Abend. Ein Lied, das sich wie kaum ein anderes nach Ende anhört, zeugt es doch von der mitreißenden Musikalität der fünf Achterln. Der nachfolgende Hit „Siasse Tschik“ steht fast beispielhaft für den Wiener Soul der Combo. Klar, dass darauf „Alaba, How Do You Do“ kam, das die Wiener dann auch endgültig in Tirol ankommen lässt. Spielt das Lied doch auf Günther Platters Hoppala an, als der Landeshauptmann Fußballer David Alaba ganz selbstverständlich mit „How do you do?“ ansprach. Und der Landesvater bleibt weiterhin nicht verschont: Sänger Max Gaier verrät, Platter stand Modell für das aktuelle Albumcover, das ein nackter, männlicher Torso ziert.

Ganz so ernst wollen die Wiener gar nicht genommen werden. Trotzdem: Nicht alles ist Wiener Schmäh, in „Akademikerball“ oder „Schwochstö“ findet die Band doch ganz klare Worte. Oder eben keine Worte, wie in ihrer Coverversion von „Schweigeminute für Traiskirchen“ (Raoul Haspel). Erst mit „Cheesy Kern“ groovt sich 5/8erl in Ehr’n leichtfüßig zurück ins Konzert.

Die Zugabe gibt sich nochmal dem Sommer hin. Bei „Schneid die Melone auf“ ist erstmals der Einsatz des Publikums gefordert. Und das große Finale verlagert sich mit „Campari Soda“ und einem deftigen Hall auf der Stimme gedanklich endgültig auf die Strandpromenade in Jesolo. Obwohl man als Zuschauer nach wie vor in der Haller Altstadt sitzt. Ein Abend wie ein leiser Sommerhit. (bunt)




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