Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.07.2018


Musik

G'schmackige “Knödel“ spielten in Stumm auf

„Die Knödel“ verspüren nach langer Absenz erstmals wieder Lust auf Bühnenluft. Selbst ohne neue CD wird das vielseitige Oktett beim Tirol-Comeback in Stumm im Zillertal gehörig gefeiert.

© Manfred HaunZurück auf der Bühne – „Die Knödel“ live in Stumm, fast komplett in der Urbesetzung.



Von Markus Schramek

Stumm – Da sind sie also wieder. Sie waren eh nur 18 Jahre weg und tun jetzt so, als ob nichts gewesen sei: Die Knödel gaben Freitagabend in Stumm ihr Tirol-Comeback. Ein Oktett, damals wie heute, mit Christof Dienz als Chef und Komponist, dazu sieben weitere Topmusiker, fast die gesamte Besetzung im Original. Einzig Geigerin Julia Fiegl fehlt, dafür ist mit Schlagwerker Charlie Fischer ein kreativer Tontüftler neu mit von der Partie. Er baut sich sein Instrumentarium am liebsten selbst, aus Metallrohren oder Weinflaschen. Aber auch ein küchenübliches Reindl kommt ihm gerade recht, um es zum Klingen zu bringen.

So stehen oder sitzen Die Knödel aufgefädelt auf der Bühne des Theater-Stadls in downtown Stumm: die Saitenfraktion mit Gitarre (Michael Öttl), Tripelharfe (Margret Köll), Violine (Cathi Aglibut) und Kontrabass (Alexandra Dienz) auf der einen Seite, die Bläser-Crew mit Fagott (Christof Dienz), Klarinette (Walter Seebacher) und Trompete (Andreas Lackner) auf der anderen. Irgendwie passt das rustikale Ambiente als Ort des Wiedererscheinens. Denn als Tirols Boten „neuer Volksmusik“, was immer damit auch gemeint war, bahnte sich die Combo in den 90er-Jahren einige Alben lang ziemlich erfolgreich den Weg. Dann bogen Dienz und Co. in verschiedene Richtungen ab, betraten Solopfade, bekamen Kinder, was auch immer.

Der Knödelteig des Abends ist bald angerührt. Hadern aus der Urzeit („Knödelpolka“, „In die Ribisel“, „Walzer“) treffen auf neues Material, das erst noch auf CD gepresst werden will (angeblich im Herbst). Das Stück „Still“ kursiert immerhin schon jetzt als Appetitanreger auf YouTube.

Anfangs brauchen die acht ein Weilchen, um zusammenzufinden. Das Auftauchen von Überraschungsgast Bernhard Landauer kommt da wie gerufen. Der Countertenor macht mit mittelalterlichen Liedern in der für Männer ungewöhnlich hohen Alt-Stimmlage großen Eindruck.

Nach der Pause musizieren Die Knödel wie aus einem Guss. „Wörgl Wunder“, Soundtrack eines Films über ein Wörgler Geld-Projekt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise 1930, zeigt großes Können und zeugt von musikalischer Reife: Ein feinfühliges Intro von Zither und Harfe wird von den einsetzenden Co-Musikern zum stimmungsvollen Klangteppich ausgerollt.

Berührend schön ist auch das kleine Requiem, mit dem die Eheleute Alexandra und Christof Dienz einer verstorbenen Nachbarin gedenken: „Für Hilda“. Da wird es ganz ruhig im schwülen Stadl.

Immer noch ist die Musik der Knödel schwer einzuordnen. Und das macht ihren Reiz aus. Instrumente der Volksmusik sind vielseitig im Einsatz, von landlerisch-urig bis jazzig, von swingig bis poppig, zu breit jedenfalls, um in eine Schublade zu passen. Neben dem findigen Neo-Mitglied Charlie Fischer sitzt Christof Dienz himself gerne an der Zither. Schon das verändert das Klangbild der Band anno 2018. Instrumente werden aber ohnedies von Stück zu Stück munter herumgereicht. Multis sind sie schließlich fast alle – was das Beherrschen musikalischen Geräts anbelangt.

Am Ende herrscht Partystimmung. Das Publikum, ähnlich angegraut wie die Akteure auf der Bühne, zeigt sich begeistert über das Lebenszeichen der Knödel. Bitte gerne mehr davon. Und nicht nur, weil man sich plötzlich 25 Jahre jünger fühlt.