Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 01.08.2018


Musik

Fest der Familie anno 1503

Eine neue CD spürt jener Musik nach, die schon Kaiser Maximilian bei seinen Festen begleitete.

© Die Wiltener Sängerknaben wirkten bei der CD mit.Foto: Sängerknaben



Innsbruck – Musik war zu allen Zeiten ein herausragendes Mittel für Repräsentation, Festlichkeit, Kurzweil und emotionale Verstärkung. Durch die Jahrhunderte haben Souveräne ihre Kapellen mit auf Reisen genommen und durch deren Besetzung, künstlerische Ausstrahlung und instrumentale Ausstattung ihren Status demons­triert.

Bevor um 1600 in der drastischen Reduktion der musikalischen Mittel die Intensität der Einfachheit entdeckt wurde, umgaben sich die weltlichen und geistlichen Fürsten der Renaissance mit klingendem Altgold, kecken Rhythmen und verschränkter Vielstimmigkeit, mit Glanz und Dunkelheit, wenn es zu feiern oder zu trauern galt.

Die Ferdinandeums-CD „musikmuseum 31“ spürt der Musik um 1500 nach – ihrer Pracht, Bewegtheit und Versenkung. Da ist Heinrich Isaacs kunstvolle „Missa Virgo Prudentissima“ zu hören. Mehr noch: zu erleben. Und das Requiem des Pierre de la Rue. Jacob Obrechts „Rompeltier“ hätte Tafelfreuden begleiten können, und die Gebrüder Hess hatten das Gespür für festliche Aufzüge.

Und wo das Ganze? In Tirol. Kaiser Maximilian I. weilte in seinem geliebten Innsbruck, als sein Sohn Philipp der Schöne auf der Reise von Spanien in die Niederlande vorbeikam. Beide hatten ihre prominent besetzten Hofkapellen dabei und feierten wochenlang mit Aufzügen, Turnieren, Banketten und Jagden in Seefeld, Innsbruck und Hall.

Musik-Kustos Franz Gratl: „Herausragende Komponisten … sind sogar persönlich anwesend, so etwa Pierre de la Rue, Alexander Agricola, Jacob Obrecht, wahrscheinlich auch Heinrich Isaac und Paul Hofhaimer. Enthusiastische Beschreibungen der Feierlichkeiten durch Ohrenzeugen dieses musikalischen Gipfeltreffens der Renaissance erlauben eine Rekons­truktion, die hier erstmals unternommen wird.“

Teil der Festlichkeiten war auch ein feierliches Requiem für Hermes Sforza, den Bruder der Kaiserin, der während der Feierlichkeiten plötzlich starb. Einen Höhepunkt des Gipfeltreffens bildet daher die Pierre de la Rues Totenmesse.

Die Ausführenden sind die großartige Capella de la Torre – geleitet von Katharina Bäuml –, erstmals im „musikmuseum“ die Wiltener Sängerknaben sowie die Gesangssolisten Kai Wessel, Bernd Oliver Fröhlich, Harry van Berne und Matthias Lutze. Fazit: eine klangschöne musikalische Einstimmung auf das Maximilian-Jahr. (u.st)

Renaissance Capella de la Torre/Wiltener Sängerknaben u. a.: Ein musikalisches Gipfeltreffen. musikmuseum 31. 18 Euro.