Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.08.2018


Musik

Traumwandeln in Arkadien

Emöke Baráth, Margaret Köll und Michele Pasotti beim dritten Ambraser Schlosskonzert.

© Oliver RömerKönigliche Klänge in edlem Ambiente: Margaret Köll, Emöke Baráth und Michele Pasotti während des Schlosskonzertes am Dienstag.



Innsbruck – Arkadien ist eine Sehnsuchtslandschaft: ursprünglich und unbelastet von aller Konvention. Ein Ort der Muße. Eine Schäferfantasie. Natürlich gab es dieses Arkadien nie, obwohl ein Landstrich gleichen Namens am Peloponnes ausgemacht werden kann. Arkadien ist der Traum ungekünstelten Daseins. Erträumt haben ihn Künstler, Dichter, Denker: Theokrit zum Beispiel, oder gut zweihundert Jahre später Vergil. Einen regelrechten Boom erlebte das Besingen bukolischer Idyllen seit dem 15. Jahrhundert und Jacopo Sannazaros Hirtenromanze „Arcadia“, die nicht nur Shakespeare und Milton beeinflusste, sondern auch allerhand Utopisten, die im barocken Rom an gesellschaftlichen Gepflogenheiten rüttelten. Eine der maßgeblichen Verfechterinnen alternativer Lebensentwürfe war dabei die schon im Kindesalter gekrönte schwedische Königin Christina, die 1654 aus noch immer ungeklärten Gründen abdankte, um in südlicheren Gefilden einen eigenwilligen Hofstaat von Künstlern – vornehmlich Musikern – um sich zu scharen. So gründete Christina Roms erstes Theater, dessen Bühne auch Frauen offenstand.

Das dritte, diesjährige Ambraser Schlosskonzert am Dienstagabend stellte Kompositionen in den Mittelpunkt, denen auch Christina von Schweden gelauscht haben könnte.

Dramaturgisch war der Abend klug entwickelt: feine, leise, melancholische Instrumentalstücke – die Toccata a-Moll und die Sonata d-Moll von Bernardo Pasquini – zum Auftakt, dann sich langsam steigernde Dramatik, beseelt von vokaler Kraft.

Emöke Baráths sich sehnsuchtsvoll hochschwingender Sopran glänzt spätestens bei Scarlattis Kantate „Poi che riseppe Orfeo“ in vollem Licht. Dass die Cesti-Preisträgerin von 2012 inzwischen die großen Bühnen der Welt erobert hat, überrascht wahrlich nicht. Bezaubernd auch Lokalmatadorin Margaret Köll an der Harfe: mal feurig verspielt, dann wieder getragen – und im Zusammenspiel mit Michele Pasotti (Erzlaute und Theorbe) durchwegs punktgenau. Fazit: ein wahrhaft traumwandlerischer Abend, der selbst den tropischen Temperaturen im Spanischen Saal mühelos trotzte. (jole)