Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.08.2018


Schwaz

Outreach Jazzfestival: Der Funke sprang über

Ein Besuch beim Outreach Music Festival in Schwaz ist für den Zuhörer das spannende Experiment, sich mit musikalischen Überraschungen auseinanderzusetzen.

© SprengFranz Hackl (ganz rechts) und seine internationalen Gäste eröffnen das Outreach Festival mit einer Mischung aus Rede und Konzert.



Von Ernst Spreng

Schwaz – Das Outreach Jazzfestival in Schwaz steht in seiner 26. Auflage unter dem Motto „timeless sparks“. Outreach-Mastermind Franz Hackl versteht darunter jene besonderen Momente im Leben eines Menschen, die ihn bewusst oder unbewusst besonders inspirieren.

Wenn der berühmte Funke überspringt, entstehen nicht nur Erinnerungen fürs Leben, sondern auch Visionen für die Zukunft. Outreach schafft diese Momente des sprühenden Funkenflugs mit Musik. Im Vordergrund steht dabei das Experiment. Internationale Jazzgrößen proben rund zehn Tage in Schwaz. Was man dann an den drei Festival­tagen zu hören bekommt, ist das überraschende Ergebnis. Die musikalischen Experimente auf der Bühne zeichnen sich aus durch Qualität. Auch 2018 ist es Franz Hackl gelungen, das international Beste der Jazzmusik in die Silberstadt zu locken. „Wir bringen hier Musiker zusammen, die normalerweise nicht miteinander spielen“, bringt es Hackl in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt. „Bei Outreach ist Musik ein Mitei­nander. Wir riskieren auf der Bühne. Das Ergebnis muss den Zuhörern etwas geben, der Funke überspringen.“

Es sind aber nicht nur die Musiker alleine, die mit Freude am Experiment nach Schwaz kommen. Das Publikum selbst weiß oft nicht, was es während des Festivals genau erwartet. Wer einen Festival-Abend bei Outreach besucht, lässt zu, dass bei den verschiedenen Konzert-Happen während eines Abends der Funke überspringt. Dieses Konzept der Vielfalt und Überraschung macht Outreach so erfolgreich.

Der Wiener Cellist Lukas Lauermann begeisterte mit musikalischen Grenzüberschreitungen.
- Spreng

Auch beim heurigen Eröffnungsabend am Donnerstag wurde die Outreach-Experimentierlust belohnt. Beim Eröffnungs-Rede-Konzert überraschte der deutsche Wissenschafter Ulrich Hoinkes mit eigener mehrsprachiger Prosa – begleitet von internationalen Jazzgrößen. Der Hybrid aus Musik und Wort war die persönliche Interpretation der Grenzüberschreitung künstlerischer Natur. Nur so sei der Funkenflug erst möglich. Im zweiten Konzert des Abends begeisterte der Wiener Cellist Lukas Lauermann als Solist, der sich keine musikalischen Grenzen setzen will. „Vor ein paar Tagen war ich bei einem Pop-Festival, jetzt bei Outreach. Das scheint zu mir zu passen“, meint Lauermann auf der Bühne und erweitert gekonnt die Grenzen seines Cellos mit elektronischen Hilfsmitteln.

Heute Samstag ist der dritte und letzte Tag des Outreach Festivals in Schwaz. Ab 19 Uhr bis Mitternacht stehen vier Konzerte auf dem Programm (outreachmusic.org). Eine musikalische Vielfalt, die man in dieser Kompaktheit nur bei wenigen Festivals erlebt.