Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.08.2018


Innsbruck

Promenadenkonzerte auch heuer ein Besuchermagnet

Der Künstlerische Leiter Alois Schöpf freut sich über eine „Frequenz“ von rund 60.000 Gästen – und lobt das Niveau der Tiroler Musikszene.

© Innsbrucker PromenadenkonzerteFulminante Auftritte wie jenen der Brass Band Fröschl Hall sieht Alois Schöpf als Beweis, „dass heimische Ensemble­s absolut ans internationale Niveau anschließen können“.Foto: Innsbrucker Promenadenkonzerte



Von Michael Domanig

Innsbruck – 34 Konzerte von 38 Ensembles an 28 Tagen bot die heurige 24. Auflage der Innsbrucker Promenadenkonzerte im Innenhof der Kaiserlichen Hofburg. Wenig­e Tage nach dem Ende der Mammut-Konzertreihe zieht der Künstlerische Leiter Alois Schöpf eine sehr positive Bilanz – sowohl was die Auslastun­g als auch was das musikalische Niveau angeht.

Rechne man zu den sitzenden Konzertgästen noch die „Laufkundschaft“ hinzu, komme man heuer wieder auf ein­e „Frequenz“ von ingesamt 60.000 bis 65.000 Besuchern, berichtet Schöpf. Dabei habe man von fast perfektem Wetter profitiert – „noch nicht zu heiß, nur ein Abend komplett verregnet, zwei weitere leicht angeregnet“.

Auch künstlerisch ist Schöpf hochzufrieden. Nur ein Abend mit gleich drei Tiroler Trachtenkapellen sei „dramaturgisch nicht ganz aufgegangen, das war wohl zu viel“. Generell werde „der Anteil professioneller und semiprofessioneller Orchester immer größer“, ganz im Sinne der Promenadenkonzerte, die das Ziel hätten, „die absolute qualitative Oberklasse in Sachen Blasmusik“ zu bieten.

Für Schöpf besonders erfreulich: „Das kleine Land Tirol bietet eine erhebliche Zahl an hochwertigen Musikensembles, die international voll mithalten können und sich auf der Höhe der Zeit bewegen.“ Als Beispiele nennt er das „fulminante Konzert“ der Brass Band Fröschl Hall unter der Leitung des Schweizers Corsin Tuor oder die Auftritte des Sinfonischen Blasorchesters Tirol, der Bläserphilharmonie Osttirol und des Orchesters der Akademie St. Blasius. „Es gibt viel tollen Nachwuchs, auch im sinfonischen und Jazz-Bereich. Hut ab vor der derzeitigen Musikausbildung“, bilanziert Schöpf. Dass die Blasmusik bei Angehörigen der „Hochkultur“ immer noch einen schlechten Ruf habe und von diesen „missachtet“ werde, ärgere ihn angesichts der hohe Qualität des Dargebotenen mehr denn je, ergänzt er.

Teils heftige Reaktionen löst­e Schöpf mit Statements zum Thema Brexi­t bei den Konzerten und im Programmbuch aus: „Ich habe gesagt, dass es für viele Tiroler und Österreicher unverständlich ist, wie Großbritannien, das Land von Shakespeare, Newton, Darwin und vielen anderen, die EU verlassen kann – und dass britische Besucher daheim davon erzählen sollen.“ Mit der Einladung mehrerer britischer Ensembles, die hohen Aufwand und veranstalterisches Risiko bedeute, habe er ein „positives Zeichen“ setzen wollen, dass Großbritannien weiter zu Europa gehöre.

Für das 25-Jahr-Jubiläum der Promenadenkonzerte im kommenden Jahr verspricht Schöpf – nach derzeitigem Stand – unter anderem Auftritte von „drei der besten Militärorchester Europas sowie von Weltmeistern aus dem Bereich Brassbands und Blas­orchester“. Noch sei aber nichts „in trockenen Tücher­n“.