Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 26.08.2018


Cesti-Wettbewerb

Händel als Patron im Wettstreit der Barocksänger in Innsbruck

Die Schweizerin Marie Lys gewinnt den Innsbrucker Cesti-Wettbewerb – 200 junge Sängerinnen und Sänger hatten sich angemeldet.

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© Innsbrucker Festwochen



Innsbruck – Nach annähernd fünf Stunden standen am Freitag im Konservatoriumssaal in der Finalrunde des 9. Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper „Pietro Antonio Cesti“ die Preisträger fest. Vier Sopranistinnen und zwei Countertenöre eroberten die Auszeichnungen. Den ersten Preis gewann die 30-jährige Schweizerin Marie Lys, der zweite Preis ging an den kanadischen Countertenor Cameron Shahbazi. Den dritten Rang teilen sich Kathrin Hottiger aus der Schweiz und Mariamielle Lamagat aus Frankreich. Den Publikumspreis sowie auch ein Konzert im Rahmen der Resonanzen Wien gewann Theresa Pilsl aus Deutschland. Der Nachwuchspreis ging an den jungen Countertenor William Howar­d Shelton aus Frankreich. Die Engagements für Barockoper:Jung der Innsbrucker Festwochen und die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci im nächsten Jahr werden erst vergeben.

Festwochen-Intendant und Juror Alessandro De Marchi konstatierte ein generell hohes Niveau der Teilnehmer. 220 junge Sängerinnen und Sänger hatten sich heuer angemeldet, nach der ersten Vorauswahl traten 74 Kandidaten aus 26 Ländern an, 12 aus acht Nationen kamen ins Finale. In der Aussendung der Festwochen wird Juryvorsitzender Michael Fichtenholz, Leiter der Händel-Festspiele Karlsruhe und designierter Intendant der Oper Zürich, zitiert: „Die jungen Sänger werden immer selbstbewusster, motivierter und informierter im Bereich Barockoper. Die Werke von Cesti, Cavalli, Vivaldi, Händel, Vinci und Pergolesi sind nicht mehr die Zwischenstationen auf dem Weg zum Standard-Repertoire, sie haben für die junge Sängergeneration ihren eigenen, sehr hohen Stellenwert. Wir erleben ein neues goldenes Zeitalter des Barockgesangs.“

Weiters in der Jury 2018 waren Jochen Breiholz (Theater an der Wien), Tobias Wolff (Händel-Festspiele Göttingen), der prominente Countertenor Lawrence Zazzo, Julien Benhamou (Oper Bordeaux), Clemens Birnbaum (Händel-Festspiele Halle), Eitan Sorek (Sorek Artists Management) und Elisabeth Reischl (Wiener Konzerthaus).

Wie üblich gab das Programm der nächstjährigen Aufführung im Rahmen von Barockoper:Jung das Pflichtprogramm vor, diesmal Arien aus Georg Friedrich Händels Opera seria „Ottone, re di Germania“. Dass auch darüber hinaus hauptsächlich Händel – sonst nur Vivaldi und Hasse – gesungen wurde, zeigt, dass die Wettbewerbsteilnehmer die derzeit eng gefassten Vorlieben der Intendanten hinsichtlich Barockoper genau studieren. (u.st.)

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