Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.10.2018


Festspiele Erl

Palfrader „sehr betroffen“ über Kuhns TV-Auftritt

Die zuständige Landesrätin kritisiert den Auftritt des beurlaubten Erl-Chefs in der ZiB2. Kuhns Nachfolger Bernd Loebe wird heute präsentiert.

Bild mit Symbolcharakter. Gustav Kuhn und Landesrätin Palfrader haben sich wenig zu sagen. Und Erl-Präsident Hans Peter Haselsteiner (rechts) stellt heute Bernd Loebe als Kuhns Nachfolger vor.

© MurauerBild mit Symbolcharakter. Gustav Kuhn und Landesrätin Palfrader haben sich wenig zu sagen. Und Erl-Präsident Hans Peter Haselsteiner (rechts) stellt heute Bernd Loebe als Kuhns Nachfolger vor.



Erl, Wien — Der Auftritt Gustav Kuhns in der ZiB2 am Montagabend war gestern das Tagesgespräch. Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) war eine jener 622.000 TV-Konsumenten, die sich Kuhn im verbalen Infight mit ZiB2-Moderator Armin Wolf zu später Stunde zu Gemüte führten. Palfrader verging allerdings angesichts des Gezeigten gewissermaßen Hören und Sehen.

Kuhn wies, wie berichtet, sämtliche Anschuldigungen gegen ihn erneut empört zurück. Jene fünf Künstlerinnen, die ihm sexuelle Übergriffe zur Last legen, „erfinden das, weil sie tief gekränkt sind, weil sie eine Rolle nicht bekommen haben", gab der seit dem Sommer als Erl-Chef beurlaubte Kuhn zu Protokoll. Und weiter: „Wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes ?danebengegriffen habe', dann entschuldige ich mich. Ich entschuldige mich aber nicht bei jemandem, der etwas erfindet."

Das Video vom Kuhn-Auftritt in der ZiB2

Das Zwiegespräch mit Wolf nahm Überlänge an, die nachfolgenden Sendungen verschoben sich. Doch Palf­rader hatte genug gehört. „Als Frau bin ich sehr betroffen, wie Herr Kuhn mit dem Thema sexuelle Belästigung umgeht", sagt die für Erl zuständige Politikerin. „Er hat da eine ganz andere Wahrnehmung als viele andere."

Erneut verlangte sie volle Transparenz und Aufklärung der Causa Kuhn. Dies sei Sache der ermittelnden Stellen, der Staatsanwaltschaft und der Gleichbehandlungskommission des Bundes. Ein Comeback Kuhns in Erl ist nur dann möglich, wenn beide Stellen ihn rehabilitieren.

Ausdrücklich begrüßt wird von Palfrader die Prüfung der Festspiele Erl durch den Landesrechnungshof: „Die Empfehlungen der Prüfer werden wir möglichst umsetzen." Der Rechnungshof wird auch jenen Vereinsbeitrag beleuchten, den die Festspiele Erl an Kuhns Accademia di Montegral in der Toskana leisten.

In diesem ehemaligen Kloster finden laut Kuhn „bestimmte Vorbereitungen" für Erl-Aufführungen statt. Die Festspiele berappen seit 2014 einen Mitgliedsbeitrag. Pro Jahr sollen das 144.000 Euro sein. Diese sind nach jüngst bekannt gewordenen Unterlagen jedoch an keinerlei Leistung gebunden.

Der Vertrag des 73-jährigen Kuhn läuft noch bis Sommer 2020. Doch schon heute stellt Erl-Präsident Hans Peter Haselsteiner in Wien Kuhns Nachfolger vor. Es ist, wie schon berichtet, der Frankfurter Operndirektor Bernd Loebe (65). Er soll schon im Herbst 2019 mit der Arbeit in Erl beginnen und die Festspiele aus den negativen Schlagzeilen herausführen.

In seiner Heimatstadt Frankfurt hat sich der Opernmanager einen sehr guten Ruf als Sanierer erworben. Sein Vertrag wurde seit 2002 mehrmals verlängert und läuft noch bis 2023. Offenbar wird Loebe Erl zusätzlich zur Oper Frankfurt übernehmen.

Loebe ist kein Dirigent. Das nährt schon die nächsten Gerüchte. Demnach könnte Kuhn in Erl mittelfristig doch wieder als Dirigent zum Zug kommen. Die heurigen Winterfestspiele finden jedoch definitiv ohne den unter Beschuss geratenen Festspielgründer statt. (mark)


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