Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Innsbruck

Ein Tiroler, der musikalische Welten „sammelt“

Seit Jahrzehnten bereist der gebürtige Innsbrucker Jochen Hampl die Welt – und verarbeitet seine Eindrücke zu eigenwilliger Musik.

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© Plieger



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Indonesien, Mexiko, Chile, Texas, Patagonie­n. Das sind nur ein paar der Destinationen, die der Tiroler Musiker Jochen Hampl bereist hat, oft schon mehrfach. Und diese Reiseziele inspirieren ihn immer wieder zu Musik. Eine Auswahl dieser Nummern, elf Tracks mit klingenden Titeln wie „Delta“ oder „Lake Maninjau“, sind nun auf dem Album „Travelogue“ zu finden – downloadbar bei Bandcamp für einen Mindestbetrag von 10 Euro. Es handelt sich dabei um ein Spendenprojekt, 100 Prozent der Einnahmen gehen an „Licht für die Welt“. Umgesetzt hat der Multiinstrumentalist das Projekt mit seinem Sohn Samuel (Grafik) und seinem Bruder Didier (Mastering).

„Es ist meine Weltmusik“, sagt der gebürtige Innsbrucker Jochen Hampl lakonisch. Nach „Weltmusik“ im herkömmlichen Sinne klingen seine Kompositionen nicht, stattdessen stellt Hampl sein­e persönliche Welt vor, die durch seine zahlreichen Reisen immer wieder erweitert und verändert wurde.

Was mit 17 und einer Interrail-Reise nach Südspanien begann, wurde zu einem regelrechen Reisefieber. Meist begeht er seine Reisen allein und ohne Ablenkung. Genau diese feine, gesteigerte Wahrnehmung ist zentral für ihn. „Ich konsumiere auf Reisen beispielsweise die Vögel“, führt er aus – und meint damit nicht etwa kulinarische Vorlieben, sondern das Vogel­gezwitscher, das in jedem Land anders sei. Auch von Ort zu Ort hetzen will Hampl nicht. „In meinen sechs Wochen in Chile haben mir beispielsweise vier Plätze gereicht“, meint er. Er wolle Menschen kennen lernen, die Geräusche der Stadt erfahren, etwa die jeweils unterschiedlichen U-Bahn-Ansagen.

„Meist greife ich erst, wenn ich zuhause bin, zum Instrument – dann kann ein Lied zu der Reise entstehen“, beschreibt Hampl den kreativen Prozess. Die Reisen haben jedenfalls seine Herangehensweise ans Komponieren verändert. „Nicht überall auf der Welt funktionieren die Dinge nach europäischem Zeitmaß“, erzählt Hampl. Man treffe sich manchmal andernorts erst, wenn es „an der Zeit“ sei. „Daraus habe ich gelernt, dass man auch beim Komponieren Zeit hat und Kreativität nicht einfach so abrufen kann.“

Die elf „Dokumentationen“, die man jetzt auf „Travelogu­e“ hören kann, betreffen den Zeitraum von 1999 bis heute, von jazzigen Tönen über Rockanklänge bis zu sphärischen Soundexperimenten hat vieles Platz. An einen Welterfolg seiner „Weltmusik“ glaubt Hampl nicht. „Aber vielleicht gibt es ein paar Menschen, die sich für meine Welt interessieren.“