Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Musik

Eine Liebe, die nach 70 Jahren noch glüht

Bandoneón-Großmeister Juan José Mosalini und sein Gran Orquesta de Tango entführten in Kufstein ihr Publikum nach Buenos Aires.

© OtterJuan José Mosalini – ein Ausnahmemusiker am Bandoneón.Foto: Otter



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Juan José Mosalini und das Bandoneón – das ist eine Liebesgeschichte, die bereits fast an die 70 Jahre andauert. Und wie eine Geliebte behandelt der Großmeister des argentinischen Tangos sein Ins­trument auch. Mal zärtlich, fast liebkosend und dann wieder voller Leidenschaft. Er lässt sein Bandoneón weinen, lachen und atmen, bei der innigen Zwiesprache verliert sich der 75-Jährige ganz in der Musik – und zieht mit der Klangfülle und Harmonienvielfalt sein Publikum in den Bann. Mosalini ist dabei nicht alleine: Begleitet wird er von zehn weiteren Musikerinnen und Musikern (drei Bandoneóns, Violinen, Viola, Kontrabass und Klavier), alles Meisterinnen und Meister ihres Faches.

Manche nennen „Don Bandoneón“ den besten lebenden Tangomusiker der Welt. Und wer ihn bei den Wunderlichen Kulturtagen in der Kufstein Arena am Wochenende gehört hat, wird das ohne zu zögern unterschreiben. Er entführte mit seinem Tango-Orchester vom grünen Inn direkt in die verrauchten Lokale nach Buenos Aires während der 40er- und 50er-Jahre, wo derartige Tango-Großformationen üblich waren. Mosalini nahm dabei die Hunderten Zuhörer zugleich mit auf eine musikalische Tango-Zeitreise. Von den Komponisten der Jahrhundertwende des vergangenen Jahrtausends bis hin zu Astor Piazolla, den Begründer des Tango Nuevo, der Weiterentwicklung des Tanzes zur Kunstform, der den nachfolgenden Komponisten den Weg wies. Auch Mosalini selbst wurde von ihm beeinflusst, doch er ist als Programm­ersteller genauso bescheiden wie als Musiker auf der Bühne: Mit „Aprentonados“ gönnte er dem Publikum nur ein einziges Stück aus eigener Feder. Im Vordergrund stand Piazolla, mit dem er selbst noch musizierte. Und das letzte Stück des Abends, „Adios Nonino“, von Piazolla wurde auch zum eigentlichen Höhepunkt: verträumt, voller Kraft und Leidenschaft. Elf fantastische Musiker, die wie das Tanzpaar beim Tango verschmolzen und eins wurden.