Letztes Update am Mo, 05.11.2018 14:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Musik

Songs im US-Wahlkampf: Musiker protestieren gegen Trump

Axl Rose und Rihanna empören sich auf Twitter. Pharrell Williams und Steven Tyler setzen sogar Anwälte ein: Immer mehr Künstler wehren sich dagegen, dass Donald Trump ihre Songs im Wahlkampf nutzt. Den US-Präsidenten scheint das kaum zu beeindrucken.

© APA/AFP/LUDOVIC MARINPopstar Rihanna.



Washington - Die Auftritte von Donald Trump sind eine gigantische Inszenierung. Im Wahlkampf-Endspurt flog der US-Präsident am Sonntag mit der Air Force One zur Kundgebung in Florida ein. In den Hangars in Pensacola tobt die Menge, aus den Lautsprechern dröhnt „The Best" von Tina Turner. Was die 78-jährige Sängerin dazu sagt, dass ihr Hit als Stimmungsanheizer herhalten muss, ist nicht überliefert.

Klar ist, dass immer mehr Künstler dagegen protestieren, dass ihre Songs im Wahlkampf der Republikaner für die Zwischenwahlen an diesem Dienstag eingesetzt werden. Dazu gehören Superstar Rihanna und Musiker Pharrell Williams, und auch Steven Tyler von Aerosmith oder Sänger Elton John, wie US-Medien berichteten.

Erst am Sonntag twitterte Guns N' Roses-Frontmann Axl Rose, es gebe jemanden im Weißen Haus, der wenig Achtung vor der Wahrheit, Moral oder Empathie jeder Art habe. In einer Reihe weiterer Tweets ließ der Sänger seinem Frust freien Lauf, weil die Republikaner Schlupflöcher suchten, um ohne Genehmigung Musik der Gruppe auf politischen Veranstaltungen zu spielen. Und: Es sei schon eine Art Ironie, dass Trump-Unterstützer der „Anti-Trump-Musik" zuhörten, spottete der Rose. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass viele von ihnen das verstehen oder sich darum scheren."

Rose bezieht sich wohl auf den Guns N' Roses-Song „Sweet Child O' Mine", den er bei einer Kundgebung gehört haben will. Rose hatte in der vergangenen Woche dazu aufgerufen, bei den Zwischenwahlen an diesem Dienstag für die oppositionellen Demokraten zu stimmen.

Auch „Don't stop the Music", ein Song von Rihanna wurde offenbar ohne Einwilligung der Künstlerin bei einer Trump-Veranstaltung in Tennessee gespielt. Als die 30-Jährige via Twitter darauf aufmerksam gemacht wurde, versprach sie, dass das bald aufhören werde. Nie würde sie auf oder im Umfeld dieser „tragischen Kundgebungen" auftauchen. Nur Stunden zuvor gab Rihanna ihren knapp 89 Millionen Twitter-Followern eine klare Wahlempfehlung für die Demokraten.

Auch die Erben des 2016 gestorbenen Superstars Prince wehren sich, dass „Purple Rain" bei mehreren Veranstaltungen der Republikaner gelaufen sein soll.

Und Produzent und Rapper Pharrell Williams ging in der vergangenen Woche direkt mit einem Anwalt-Schreiben gegen Trump vor. So soll sein Hit „Happy" bei einem Wahlkampfauftritt in Indiana gespielt worden sein. Was den Musiker besonders stört: Der Song ertönte dort wohl nur Stunden nachdem in einer Synagoge in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania bei einem Attentat elf Menschen erschossen worden waren.

Aerosmith-Sänger Steven Tyler kämpft seit Jahren unermüdlich für seine Lieder. Bereits im US-Wahlkampf 2015 schickte seine Anwältin gleich zwei Briefe an Trump, mit der Aufforderung nicht mehr den Aerosmith-Titel „Dream On" bei dessen Events zu spielen. Darin hieß es, dass auch ein künftiger Präsident Trump keinerlei Rechte an dem geistigen Eigentum von Tyler habe, ohne dessen ausdrückliches Einverständnis.

Donald Trump scheint davon unbeeindruckt: In August 2018 bekam er erneut Post von der Juristin: Diesmal ging es um den Aerosmith-Song „Livin' on the Edge", der wohl in diesem Sommer bei einer Kundgebung in West-Virgina aus den Boxen kam.

(dpa)