Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 15.11.2018


Musik

Ron Carter: Eine Legende im Keller

Die Gäste drängten sich sogar auf der Stiege, um den Meister Ron Carter am Dienstag im Treibhaus am Kontrabass zu erleben.

null

© Gasser



Innsbruck – Jazz-Legende Ron Carter spielte am Dienstag ein überfülltes Konzert im Treibhauskeller. Die Gäste drängten sich sogar auf der Stiege, um den Meister am Kontrabass zu erleben.

Weltberühmt wurde Ron Carter als Teil des zweiten Miles Davis Quintet in den 1960er-Jahren. Im Laufe seiner Karriere hat er an 3000 Alben mitgewirkt, bei 50 davon als Hauptverantwortlicher. Die Erfahrung und Würde, die sich Ron Carter über die Jahre angespielt hat, bringt er spürbar auf die Bühne.

Seine langen Finger sind aber so agil und flink wie eh und je. Carter slidet, bendet und tappt, was die Saiten halten. Er spielt und verschiebt Akkorde, was am Bass eher ungewöhnlich ist. Bei abrupten Tempowechseln hält seine Band mit. Diese besteht aus Piano, Saxophon und Schlagzeug. Die vier Musiker jagen sich mit einem Solo nach dem anderen. Teilweise schräg und eigen getaktet spielt Carter seine Linien, er nimmt sich zurück, wenn die anderen ein Solo spielen. Dann plötzlich sind alle anderen leise, und nur der Kontrabass ertönt. Das Publikum hält den Atem an. Carter entlockt dem Bass eigentlich unmögliche Töne. Dann stimmt er während des Solos eine Saite höher – und spielt einfach weiter.

Ron Carter spielt seit Jahrzehnten Jazz in Reinform, er hält das Genre hoch, machte und macht es groß.

Nach dem jeweils dritten Solo sind die instrumentalen Möglichkeiten auch für Virtuosen wie Ron Carter begrenzt. Die Bühnenperformance war sehr statisch, aber auf ein Konzert von Ron Carter geht man ja auch nicht, um wieder einmal ein Stagediving zu sehe­n. Das Konzert endete nach zwei Stunden und Pause mit Carter’scher Pünktlichkeit um exakt 23 Uhr. (lg)