Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Musik

Cari Cari: Wenn der Waschbär den Blues spielt

© Andreas Jakwerth„Cari Cari“ sind derzeit auf Österreich-Tour. Leider ohne Tirol-Termin.



Je länger der Abend, desto illustrer die Einfälle. Er wolle künftig nur noch „El Lobo", der Wolf, genannt werden, verlangte der spanische Bekannte von Stephanie Louise Widmer und Alexander Köck, die gemeinsam das österreichische Pop-Duo Cari Cari bilden, nach einer Party-Nacht in London. Überhaupt sollten alle Tiernamen tragen, erklärte „El Lobo" — und taufte seine Freundin prompt „Mapache". Widmer und Köck wussten da zwar noch nicht, dass es sich dabei um einen Waschbären handelt — aber sie wussten, dass „Mapache" genau das Wort war, das ihnen für einen Song, an dem sie gerade arbeiteten, noch fehlte. Inzwischen heißt nicht nur das Lied so, der Waschbär schaffte es auch ins dazugehörige Video.

„Mapache" ist eine wilde Nummer: staubige Blues-Gitarre, knochentrockene Drums und — wie einst bei Ennio Morricone — viel Aiaiai-Geheul. Überhaupt klingen Cari Cari auf ihrem ersten Album „Anaana" sehr nach 60er-Jahre. Nach Steppenwolf, den Kinks, mitunter nach den Doors. Das nächste Retro-Ding sind Cari Cari aber nicht. „Wir stellen nichts nach", sagt Alexander Köck, „aber wir mögen das Gefühl, das dieser Sound erzeugt, die Bilder, die er hervorruft." Gerade beim Sound macht das Duo dabei keine Kompromisse. „Stephanie brachte aus Australien ein Didgeridoo mit — und wollte es einbauen", erinnert sich Köck. Davon hätten ihnen viele abgeraten. Auch mancher Experte. „Genau deshalb haben wir es dann getan", sagt er. Und Stephanie Widmer ergänzt: „Wenn jemand sagt, das geht gar nicht, wird es erst richtig interessant."

So ganz daneben liegen Cari Cari mit dieser Programmatik nicht — zumal „Anaana" mit „Nothing's Older Than Yesterday" oder dem Album-Opener „Summer Sun" auch ausgemachte Ohrwürmer enthält: Der Rolling Stone feierte sie jüngst als Entdeckung der Saison. In den USA griffen bereits mehrere Serien-Macher, darunter jene von „Shameless", auf ihre Songs zurück. Nur in Österreich galt das Duo aus dem Burgenland lange bestenfalls als Geheimtipp. Mit „Anaana" dürfte sich das nun ändern. In Windeseile. (jole)

Pop Cari Cari: „Anaana". Ink Music.




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