Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.11.2018


Musik

Mumford and Sons: Pfadfinder, weit fortgeschritten

© imago/ZUMA Press



Pubs und Fußgängerzonen auf den britischen Inseln sind voll davon: ausnehmend gute Musiker, die sich die Seele aus den Leibern singen für kleine Scheinchen und ein paar Bier. In den richtigen Händen und mit einer gehörigen Portion Glück kann aus solchen Rohdiamanten eine Combo wie Mumford & Sons heranreifen.

Das Quartett um Leadsänger Marcus Mumford wirkt total von dieser Welt. Mit geradlinigem Folk-Rock ohne viel Computer-Klimbim, gefälligen Refrains zum wohligen Mitsingen und Texten voll von mutmaßlicher Bedeutungsschwere haben sich die vier seit der Bandgründung 2007 beachtlich viele Zuhörer erspielt. Die großen Konzertarenen zwischen Australien und Nordamerika stehen längst auf dem Tourplan. Zum kommerziellen Erfolg gesellte sich der Grammy für das Album des Jahres mit „Babel" (2013). Stars waren geboren.

Hierzulande sind Mumford & Sons keine Straßenfeger. Doch als Gegenentwurf zu den monoton hämmernden Beats von Abtanzclubs hat das konventionell und retro wirkende Geviert auch bei uns seine Stammkundschaft.

Immerhin ein Auftritt ist (halbwegs) aktuell in Österreich geplant. Am 3. Mai wird das eben veröffentlichte, vierte Album „Delta" live in der Wiener Stadthalle gespielt.

Die neue Scheibe leugnet ihre Urheber keineswegs. Sie enthält Ohrenfreundliches der Marke „Pfadfindersongs für weit Fortgeschrittene", wie den Opener „42", das hymnische „Guiding Light" oder den Dahinschmelztrack „Forever". Daneben schlägt Marcus Mumford nachdenkliche Töne an. „The Wild" etwa zeigt eine Musikerschaft knapp jenseits der 30-Jahres-Marke beim ausgiebigen Grübeln. Und auch sonst gibt sich „Delta" ruhiger, zurückhaltender, erwachsener? Fans werden damit kein Problem haben. Sie sind auch nicht jünger geworden. (mark)

Folk-Rock Mumford & Sons: „Delta". Island Records. Als CD, Download und auf Vinyl erhältlich.


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