Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Konzert

Der Sound, einem Film entsprungen

Blues-Röhre Holly Golightly setzt den ersten Akzent für ein Wochenende selbstbewusster Frauen in der p.m.k.

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© Unterthurner



Innsbruck – Ja, sie wurde tatsächlich auf diesen Namen getauft. Die Mutter der britischen Singer-Songwriterin Holly Golightl­y Smith war wohl begeistert von Truman Capotes „Frühstück bei Tiffany“ oder der Filmfassung von 1961 – so sehr, dass sie der Tochter den Namen der Hauptfigur verpasste. Mit dieser Auferlegung ein schauspielerisches Talent zu entwickeln, fiel der heute 52-Jährigen aber gar nicht ein, sie preschte Bluesnummern. Nicht die ganz traurigen, sondern eher die locker-lässigen. Das machte sie schon bei der Girls-Garagenband Thee Headcoatees und später vor allem solo mit Band.

In dieser Konstellation gastierte Holly Golightly – ihren Namen behielt die Sängerin auch als Künstlernamen – in der Innsbrucker p.m.k und begeisterte das zahlreich angereiste und altersmäßig durchgemischte Publikum mit ihrer Twang-Gesangstechnik, die der Britin einen klaren und auch in den Höhen starken Countrysound verleiht. Ansonsten bleibt der Sound meist im klassischen zwölftaktigen Bluesschema gefangen, mit einigen wenigen Ausbrechern in Richtung Sixties Rock oder Folk.

Dass der Sound trotzdem begeistert, weiß nicht zuletzt Jack White (von den White Stripes), der auf dem legendären „Elephant“- Album mit Holly Golightly die Nummer „It’s true that we love one another“ schmettert, in der sie sich gegenseitig ihre Liebe erklären – ganz unschuldig: „I love Jack White like a little brother“, tönt es von Holly Golightly.

Überwältigende Passion war von der Britin bei ihrem Gig in Innsbruck auch nicht zu erwarten, cool-lässig haute Holly die Töne raus, die allesamt saßen. Trotzdem hat man den Blues, auch wenn facettenreich gestaltet, dann auch gehört. Und will sich herausschälen aus den Songs, die allesamt auf einem Quentin-Tarantino-Soundtrack vorkommen könnten (auf Jim Jarmuschs „Broken Flowers“ mit Bill Murray ist Holly Golightly wirklich zu hören).

Herausgeschält aus dem Genre haben sich jüngere Briten à la Kitty Daisy and Lewis, sie liefern ähnlichen Sound mit mehr Abwechslung. Jung, experimentell und vor allem selbstbewusst weiblich geht es in der p.m.k aber weiter, heute mit der 22-jährigen Mavi Phoeni­x, morgen mit den bewusst unangenehmen Klitclique, Dregs und Laura Méritt. (bunt)