Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 25.11.2018


Konzert

Voodoo Jürgens: Ein Gedenktag zum Feiern

© Martin Hellbock



Mit „Heite grob ma Tote aus" ging alles zu Ende. Für ein musikalisches Stelldichein am Freitag im Innsbrucker Treibhaus hat Voodoo Jürgens genau das gemacht: Niemanden Geringerem als Ludwig Hirsch, verstorben 2011, widmet der junge Wienerlied-Macher eine Hommage. In ganz Österreich ist Voodoo Jürgens aktuell unterwegs — im Gepäck die „Dunkelgrauen Lieder", das legendäre Album Hirschs, erschienen vor 40 Jahren.

Zusätzlich fiel das Tiroler Konzert (fast) auf den gestrigen siebten Todestag des Austropop-Urgesteins. Ein Gedenktag, für den Voodoo seine Ludwig-Hirsch-Krawatte (mit dem Kommentar „Da ist noch etwas Schweinebraten drauf") ummachte und damit in die Rolle der Wiener Kultfigur schlüpfte. Mit „I lieg am Ruckn" eröffnet Voodoo. Und hat das Publikum sofort auf seiner Seite. Dieses kam zahlreich angestürmt (der freie Eintritt und die Live-Übertragung in den Keller des Treibhauses trugen wohl auch dazu bei) und stellte sich als Melange der Generation Danzer und der Generation Wanda heraus.

Eine Zusammenführung, die auf einer einfachen Idee beruht: Das Management war auf Voodoo zugekommen und schlug ihm die Idee vor. Als Fan und im Grunde Vertreter eines weiterentwickelten Genres zögerte Voodoo nicht lange und nahm sich der Krawatte und der Songs von Ludwig Hirsch an.

Und betritt so auch in Innsbruck die Bühne. Um dort mit siffigem Vokuhila und einem Glas Rotwein in der Hand die bitterbösen Hirsch-Songs zu schmettern. Teilweise gelungen, auch wenn Voodoo mit seiner quengelnden Stimme nicht an den tiefen, getragenen Duktus des Urgesteins herankommt. Außerdem sind die Neuinterpretationen teilweise ungewohnt spritzig — die alten Lieder sind eben zum Kult verkommen. Und verlieren deshalb oftmals die bewusst gesetzten Pausen, die Akzente, die nur ein Ludwig Hirsch selbst setzen konnte.

Trotzdem gelingt es Voodoo die Generationen zusammenzubringen. Gemeinsam wird der „Omama" gelauscht oder zu „Heite grob ma Tote aus" (einem Song von Voodoo Jürgens selbst) das Tanzbein geschwungen. Weniger Gedenken, denn ausgelassene Feier. (bunt)


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