Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.12.2018


Volkskultur

Ina Regen: Suche nach dem „kollektiven Glück“

Die heimische Dialekt-Popmusik hat mit Ina Regen eine frische und faszinierende Stimme hinzugewonnen.

Mit ihrem Album "Klee" kommt Ina Regen nächstes Jahr auf ihrer Tour auch nach Tirol.

© StillerMit ihrem Album "Klee" kommt Ina Regen nächstes Jahr auf ihrer Tour auch nach Tirol.



Von Hubert Trenkwalder

Grießkirchen – Ina Rege­n ist eine mutige Frau. Sie kennt ihre Schwächen und hat ihre Verletzbarkeit lieben gelernt. Mehr noch, hat sie diese in ihrer Debütsingle „Wie a Kind“ sogar eindrücklich ins Gegenteil verkehrt und zu einer strahlenden Stärke gemacht.

Während der Verleihung der diesjährigen Amadeus Austrian Music Awards, dem alpenländischen Äquivalent zum Gramm­y, präsentierte sie ihren Hit, live und ohne viel technisches Brimborium. Nur mit Stimme, Klavier und Wahrhaftigkeit riss sie das Publikum im Wiener Volkstheater von den Stühlen und erntete Standing Ovations.

Als ob das nicht schon großartig genug gewesen wäre, gehörte sie an jenem Abend auch zu den Nominierten für den österreichischen Musikpreis. Gleich zweimal sogar. In der Kategorie Pop/Rock und für den Song des Jahres mit „Wie a Kind“.

Dabei hatte die gebürtige Grießkirchnerin den Song erst wenige Monate zuvor als erstes „musikalisches Hallo“ auf YouTube gestellt. Ohne Plattenfirm­a, ohne teures Marketing.

Was dann kam, war „ein bisschen wie im Märchen“ erzählt Ina Regen. Platz 1 bei iTunes, heavy rotation im Radio und über 1,6 Millionen Streams bei YouTub­e. All das geschah durch ein Lied, das offenbar einen kollektiven Nerv getroffen hatte, weil es so anders, so leise, so verletzlich und gleichzeitig so groß, kräftig und emotional war, dass sich kaum jeman­d dem Zauber dieses Songs entziehen konnt­e.

Ein beneidenswerter Überraschungserfolg für eine Newcomerin einerseits, ein verdientes, weil lange erträumtes Glück und unbeirrt verfolgtes Ziel andererseits. Und wie das Lied ist auch die Frau dahinter: stark, ohne diese Stärke vor sich herzutragen, natürlich, offen, modern und reflektiert.

Dass das Leben einem das Glücklichsein aber nicht immer leicht macht, davon kann die 33-Jährige Lieder singen. Auf ihrem Debütalbum „Klee“ sind es elf. Elf Songs, die das Destillat einer großen Faszination für Musik, das Leben und für Menschen sind. Mit allen Irrungen und Wirrungen, die gleichsam liebenswert und verstörend sein können.

Aber genau an diese Gleichzeitigkeit der Dinge glaubt Ina Regen und verdeutlicht das in den Fragen, die sie in ihren Texten bearbeitet. Einfache Antworten verteilt sie derweil in ihren Liedern nicht. Wohlwissend, dass es die ohnehin niemals gibt. Aber gerade deswegen ist ihre moderne Auffassung von Popmusik schlicht groß.

So beschreibt der Titelsong „Klee“ selbst die ewige Suche nach dem eigenen und dem kollektiven Glück. „Ich bilde in meinen Liedern das Leben so ab, wie ich es erlebe“, beschreibt sie ihre Musik. „Etwas Komplexes auf das Wesentliche zu reduzieren, schafft Klarheit für die Wahrheit. Gleichzeitig öffnen sich immer wieder neue Schichten, wenn man in ein Thema tief eintaucht. Das finde ich spannend.“

Es wird zweifellos noch eine außergewöhnliche musikalische Reise, auf die Ina Regen uns mittels ihrer Songs mitnimmt.

Und noch ein Konzerttipp: Am 12. April 2019 gastiert Ina Regen im Komma/Wörgl.