Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Musik

“Mea Culpa“ von Bilderbuch: Mit Klischees spielen, aber keines sein

Großer Coup: Bilderbuch veröffentlichen mit „Mea Culpa“ überraschend ein neues Album, dessen Stil aber keine große Überraschung mehr birgt.

Am 24. April gastieren Bilderbuch in der Innsbrucker Dogana und werden dort Songs aus beiden (neuen) Alben zum Besten geben.

© imago/Christian GrubeAm 24. April gastieren Bilderbuch in der Innsbrucker Dogana und werden dort Songs aus beiden (neuen) Alben zum Besten geben.



Innsbruck – Bilderbuch ist große Pose: ein gelber Lamborghi­ni, eine heftige Lasershow, ein Auftritt samt Bodybuilder und golden glänzende Outfits. Was da seit dem Erfolgsalbum „Schick Schock“ auf die Zuhörer herabprasselt, lässt die zahmen Indie-Anfänge der Oberösterreicher verblassen.

Nach vierjähriger Erfolgsgeschichte fällt der Band nun nichts Größeres ein, als in einer Welt mit dem totgesagten Format „Album“ in einem Zeitraum von drei Monaten gleich zwei Scheiben rauszuhauen. Wie aus dem Nichts steht da seit gestern „Mea Culpa“ auf der Albumliste. Gespoilert wurde wenig, höchstens auf den sozialen Kanälen. Dort gab es Fotos mit möglichen Textpassagen. Die schon einmal verrieten, dass die bisher eingeschlagene Bilderbuch-Richtung dieselbe bleibt. Es geht um Liebe, Internet, und „deinen ass“. Eindeutig uneindeutig.

Auch stilistisch bleiben Bilderbuch wieder vieldeutig. Simple, aber funktionierende Riffs, Synthesizer und Autotune sind die Hauptdarsteller. „Mea Culpa“ ist also eher „Magic Life“ (2017) als „Schick Schock“ (2015), was eine Abkehr vom Hit hin zum Konzept bedeutet. „Mea Culpa“ will eben ganz gehört werden.

Während die ersten Nummern eher auf Punchlines („Superrichkids haben Stress/Wir haben Sandwishes, Sandwishes, Sandwishes“) denn auf eingängige Melodien setzen, wird eher der zweite Teil mit den Nummern „Megaplex“ und „Memory Card“ auch memoriert. Und nach neun Nummern ist es schon vorbei.

Im Rückblick ist die Pose rund um die Veröffentlichung fast größer als das Album selbst. Sind jene, die immer nur mit Klischees spielen wollten, nun selbst zu ihrem eigenen Klischee geworden? Klären lässt sich das erst später: Am 22. Februar erscheint der zweite Streich: „Vernissage My Heart“ wird hoffentlich keine B-Seite, sondern im Idealfall eine Weiterentwicklung von „Mea Culpa“. Wenn nicht, sind sie selbst schuld. (bunt)

Pop Bilderbuch: Mea Culpa. Maschin Records.