Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.12.2018


Tirol

Barocke Festlichkeiten, kein bisschen museal

Für die CD-Reihe „musikmuseum“ der Tiroler Landesmuseen wurde dieses Jahr wieder Hochfeines auf Scheiben gebannt.

Melanie Hirsch wird mit dem Ensemble „vita & anima“ am 21. Dezember im Innsbrucker Canisianum ein Weihnachtskonzert gestalten.

© Ludwig OlahMelanie Hirsch wird mit dem Ensemble „vita & anima“ am 21. Dezember im Innsbrucker Canisianum ein Weihnachtskonzert gestalten.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Die von Franz Gratl kuratierten tirolspezifischen Programme von „musikmuseum“ des Ferdinandeums heben Schätze aus den Archiven, umfassen aber auch Zeitgenössisches. Vereint unter diesem Label sind inzwischen auch Veröffentlichungen anderer Veranstalter bzw. Partner, vertrieben wird die Reihe von der renommierten „note 1“ (bis 6. Jänner zum halben Preis). Die barocken Schwerpunkte dieses Jahres bergen viel Schönes und zahlreiche Neuheiten.

Peter Waldner lädt mit seiner musikalischen Überzeugungskraft an Orgel, Cembalo und Clavichord ein, Kostbarkeiten aus der Musikbibliothek des Südtiroler Klosters Marienberg kennen zu lernen. Zu Johann Zach und Alessandro Poglietti stellt er Bekanntes von Georg Muffat und strenge Fugen von Georg Friedrich Händel. Musik, die nichts weniger als charaktervolle Ins­trumente und Interpretation verdient (musikmuseum 34).

Melanie Hirsch, die in Oper und Konzert tätige deutsche Sopranistin, wird gerne zu musikmuseum und auch zur Innsbrucker Abendmusik eingeladen, weil ihre quellklare Stimme, ihre Stilsicherheit und Ausdrucksfreude bezaubern. Das ist in hohem Maß der Fall bei den tiefempfundenen Motetten von Ingenuin Molitor und Georg Arnold, beide 17. Jahrhundert (musikmuseum 32), die sie sich mit Maria Bernius und Matthias Helm teilt. Ein Höhepunkt an malender Wortausdeutung ist die der CD den trefflichen Titel gebende Motette „O anima mea“ mit der ersten Zeile: „O meine Seele, schläfst du noch?“ Das begleitende Ensemble vita & anima stellt sich mit animierter Instrumentalmusik der beiden Komponisten, die ihre Noten gern in Innsbruck drucken ließen, ein. Melanie Hirsch war ideal weiters für die Motetten op. 2 des Vigilius Blasius Faitelli (1710–1968) besetzt, mit ihr Ursula Eittinger und der Tiroler Michael Kranebitter. Die sehr anspruchsvoll zu singenden opernnahen Motetten mit Rezitativen, Arien und Alleluja-Jubel werden von Barockins­trumentalisten unter Marian Polin unterstützt (musikmuseum 39). Eingefügt ist eine Fuge von Josef Lipavski über ein Thema von Johann Zach.

Ihm, Zach, dem so großartig Musikantischen und Hoch­originellen, ist mit musikmuseum 36 eine ganze CD gewidmet, die ihn in Konzerten, einer Sinfonia und weiteren Orchesterwerken aufblühen lässt. Verantwortlich dafür sind die vorzüglichen Barocksolisten München, geleitet von der Flötistin Dorothea Seel. Am Cembalo die prominente Tiroler Cembalistin Anne Marie Dragosits, prägend im Ensemble, virtuos als Solistin.

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„Small is beautiful“ (musikmuseum 33) wurde von dem Naturtrompeter Stefan Ennemoser angeregt: barocke Orchestermusik in kammermusikalisch reduzierter Besetzung. Neu in seiner besonderen Transparenz erschließt sich dadurch vor allem Bachs Zweites Brandenburgisches Konzert. Dazu Musik von Telemann und dem Anfang des 18. Jahrhunderts als Konzertmeister in Innsbruck wirkenden Gottfried Finger. Barocke Verschlingungen, Klangumarmungen und Echowirkungen von einem Solistenensemble der Tiroler Barockinstrumentalisten farbig, gekonnt und stilvertraut geboten, mit den strahlenden, jedoch immer angemessenen Naturtrompetentönen von Stefan Ennemoser, ergänzt bei einer Finger-Sonate von seinem ebenfalls versierten Kollegen Christian Gruber.




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