Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 16.12.2018


Volkskultur

Claudias schönste Weihnachten

Herzerwärmende Songs gegen die Kälte unserer Tage – die bayerische Songwriterin Claudia Koreck schürt die Vorfreude auf die „stade“ Zeit.

Claudia Koreck: "Ich freu' mich immer wie ein Kind auf Weihnachten."

© Lena SemmelroggenClaudia Koreck: "Ich freu' mich immer wie ein Kind auf Weihnachten."



Von Hubert Trenkwalder

München – Es war wohl nur eine Frage der Zeit. „Ich höre selber immer so gern Musik an Weihnachten“, erzählt Claudia Koreck, die sich alle Jahre wieder auf den Heiligen Abend freut wie ein kleines Kind.

Wenn es draußen kalt ist, die Menschen zusammenrücken, sich zuhören und Musik machen. Diese Sehnsucht nach der Wunsch-Weihnacht ist groß bei der Traunsteiner Singer-Songwriterin.

Und genau diese Sehnsucht wollte sie in Lieder fließen lassen. Lieder, die nicht überladen sind mit Blingbling und Jingle Bells, Lieder, die erdig, echt und emotional daherkommen. Viel Folk, weitgehend akustisch.

Nach sechs Studioalben (zuletzt „Holodeck“, 2017), einer Doppel-Live-CD (2011) und ihrer „Kinderplatte“ (2016) fügt die winterliche Songsammlung dem Werk der Hit-Sängerin („Fliang“) eine weitere Facette hinzu.

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Bis dahin war es ein weiter Weg. Einer, der sie von Traunstein nach Schweden führte, nur sie und ihre Instrumente. Mit Gitarre und Mandoline hat sie sich eine Woche lang in eine kleine Hütte in der Nähe von Stockholm zurückgezogen, um an den Stücken zu arbeiten. Um die Muse zu finden, die sie schon so oft geküsst hat.

Abgeschieden von der Außenwelt, inmitten eines Naturschutzgebietes und ohne Internetempfang, so wollte sich Koreck Anfang 2018 in winterliche Stimmung versetzen. Mit Erfolg. „Der Drang zum Schrei­ben war groß“, erinnert sich die Songwriterin. Es gab keine Störungen, keine Ablenkungen des Alltags wie daheim. „Alles war im Fluss. Keiner hat mich herausgerissen.“

Claudia Koreck ist eine unbewusste Schreiberin. Wie auch in früheren Werken lässt sie sich von Gefühlen und Erlebtem zu authentischen Songs inspirieren, die sich nicht in gängige Formate oder Schubladen stecken oder gar auf dem Reißbrett konstruieren lassen.

Sie schreibt auf Englisch über Ruhe, Einsamkeit und das Vermissen des Liebsten („Rein­deers“), singt auf Bairisch gegen Weihnachtshektik und Entfremdung an („Ruck ma olle wieder näher zam“) und widmet ihrer Tochter ein Stück auf Hochdeutsch („Wenn ich an Weihnachten denk“).

Und so spiegeln die elf Songs exakt wider, was Claudia Koreck in den vergangenen Jahren zur selbstbewussten Künstlerin hat reifen lassen: jene kompromisslose Freiheit, sich auszudrücken, wie sie das im Moment und zum Thema des Songs passend gerade möchte.

Die Aufnahmen fanden im Frühsommer 2018 statt. Um die Kollegen in Winterstimmung zu bringen, musste Koreck freilich ein bisschen tricksen. „Ich habe das Studio ein bissl weihnachtlich geschmückt – mit Kugeln und Sternen“, erzählt sie. „Außerdem habe ich einen Weihnachtspulli getragen. Das hat dann gleich hervorragend geklappt.“

Claudias Korecks Weihnachtsplatte ist eigentlich so wie die junge Mutter selbst. Ehrlich und geerdet, voller Kreativität und nicht zuletzt: einfach ein weihnachtlicher Hörgenuss!