Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 28.12.2018


Musik

Prinz der Romantik am Klavier: Richard Clayderman wird 65

Mit der „Ballade pour Adeline“ gelang Pianist Richard Clayderman in den 70er-Jahren ein Welthit. Heute wird der Künstler 65. In seiner Heimat Frankreich tritt er kaum noch auf, in Asien wird er verehrt.

Richard Clayderman hat seinen Look über die Jahre beibehalten.

© imago/VCGRichard Clayderman hat seinen Look über die Jahre beibehalten.



Paris – Er füllt den riesigen Palast des Volkes in Peking, geht über den roten Teppich und wird von den höchsten Amtsträgern empfangen. In China werde er wie ein König behandelt, sagte Richard Clayderman in einem Interview. Der französische Pianist, der mit dem Candle-Light-Song „Ballade pour Adeline“ weltberühmt wurde, feiert am heutigen 28. Dezember seinen 65. Geburtstag auf der Bühne – im spektakulären Grand Theater in Chongqing im Westen Chinas.

Seine Musik werde in China in den Klavierschulen unterrichtet, erzählte er der französischen Tageszeitung Le Parisien. Was die Chinesen an seiner Musik finden? Sie sei vom ersten Anhören an leicht verständlich, schön und reich an Emotionen, meint Du Jian, sein chinesischer Manager. Außerdem gefalle sein „Gentleman-Image“: blonde Haare und blaue Augen.

Mit dem 1976 veröffentlichten Schmuselied „Ballade pour Adeline“ wurde Clayderman schlagartig reich und berühmt. Seitdem spielt und interpretiert er Hits der Gefühle wie „Don’t Cry For Me Argentina“, „How Deep Is Your Love“ und „Yesterday“. Nach Angaben auf seiner Webseite hat er rund 90 Millionen Tonträger weltweit verkauft.

Clayderman auf einem Archivfoto von Anfang der 70er-Jahre.
Clayderman auf einem Archivfoto von Anfang der 70er-Jahre.
- imago/United Archives

Claydermans Romantik ist zeitlos und geht dem Publikum ans Herz. Er gilt als „Prinz der Romantik“, seit ihm die Ex-Präsidentenfrau Nancy Reagan in den 80er-Jahren diesen Namen gegeben hat. Daran stört sich der Musiker nicht. Auch nicht an der Kritik der Fachpresse, die seine Musik als seichte Pop-Unterhaltung abwertete. Der Stil entspreche seiner Persönlichkeit, meinte er nur. Und: „Ich schenke den Menschen schöne Musik. Warum soll ich mich dafür schämen?“

Ein Prophet gilt nichts im eigenen Land, lautet ein Sprichwort, das auf Clayderman zutrifft. Mitte der 70er-Jahre füllte er die Pariser Musiksäle. Doch seit mehr als 30 Jahren gab er in seinem Heimatland kein großes Konzert mehr. Manche glaubten dort sogar, er spiele nicht mehr, sagte er. Er habe noch immer Fans, aber die kämen nach Belgien, um ihn zu sehen.

Eine Erklärung dafür, warum er in Frankreich außer Mode ist, hat er auch. Den französischen Medien gefalle nicht, was populär sei, sie seien zu elitär, meint Clayderman. Aber vielleicht war es ein Stück weit auch seine Schuld. Er habe Ende der 80er-Jahre Frankreich vernachlässigt und auf die vielen Anfragen aus Japan, Südostasien und Lateinamerika geantwortet, zitiert ihn die französische Wochenzeitung L’Obs. Im Juni 2018 trat er erstmals im Iran auf.

Die Musik von Clayderman, der 1953 in Paris als Philippe Robert Louis Pagès geboren wurde, ist so diskret wie sein Privatleben. Die Bekanntgabe der Trennung von seiner zweiten Frau Christine verlief im Stillen, und die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin, der Geigerin Typhaine Pautrel, vor rund acht Jahren fand klammheimlich statt.

Im Oktober 2012 verlor er seine Tochter Maud aus erster Ehe. Auch von dem Drama wurde kaum etwas bekannt. Die damals 39-Jährige starb an Herzversagen, als er in Süddeutschland auf Tournee war. (APA, dpa)