Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.01.2019


Innsbruck

„Volksmusik ist nicht verstaubt“

Peter Margreiter (Obmann Tiroler Volksmusikverein) und seine Frau Sonja Steusloff-Margreiter (Projektleitung) im "Haus der Musik".

© StegmayrPeter Margreiter (Obmann Tiroler Volksmusikverein) und seine Frau Sonja Steusloff-Margreiter (Projektleitung) im "Haus der Musik".



Seit rund sechs Jahren ist Peter Margreiter nun Obmann des Tiroler Volksmusikvereins. Seine Frau Sonja Steusloff-Margreiter fungiert als Projektleiterin der Großveranstaltungen des Vereins und generell als seine rechte Hand. Das Ehepaar teilt die Liebe zur echten Volksmusik und den Kampf für mehr Authentizität in diesem Musikbereich. Begonnen hat dieses Engagement, so sind sich die beiden einig, schon vor etlichen Jahren im Stubaital, in dem Peter Margreiter aufgewachsen und verwurzelt ist. „Wir haben viele Jahre gekämpft", meint er lakonisch. Gemeint ist damit der Einsatz für echte, unverstärkte Volksmusik, den sie unter anderem mit ihrer 2001 gegründeten Stubaier Freitagsmusig geführt haben und führen. „Authentische Musik war, nicht zuletzt wegen des kommerziellen Tourismus im Tal, etwas in den Hintergrund geraten", sagt der Volksmusikverein-Obmann dazu.

Insofern ist die Obmannschaft von Margreiter und die Funktion seiner Frau Sonja als Projektleiterin, unter anderem beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb, lediglich eine Verlagerung dieser Bestrebungen auf eine andere Ebene. Gegenwärtig setzt das Musikerpaar auf Vermittlungsarbeit und Bewusstseinsbildung. „Volksmusik ist nämlich gar nicht verstaubt", merkt Steusloff-Margreiter an. „Echt und überzeugend" müsse sie aber sein, um das unter Beweis zu stellen. Dann so, glauben die Margreiters, lässt sich diese Musik auch an den Mann und an die Frau bringen. Etwa mit dem von ihnen initiierten „Aufg'horcht", in der Volksmusikanten aus dem ganzen Alpenraum die Innsbrucker Innenstadt bespielen.

Auch neue Präsentationsformen und Kommunikationskanäle haben Peter und Sonja Margreiter in den letzten Jahren etabliert. „Facelifting" nennt Peter Margreiter diese Tätigkeiten salopp. So wurde beispielsweise das Logo des Vereins adaptiert oder die Werbelinien für das traditionelle „Tiroler Adventsingen" modernisiert. Auch auf Facebook oder Instagram ist der Tiroler Volksmusikverein mittlerweile vertreten. All das hat offenbar Wirkung gezeigt. „Die Mitgliederzahl hat sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt", erzählt Peter Margreiter. „Das liegt auch am Volksmusikboom", ist er überzeugt.

Überhaupt üben sich beide Volksmusik-Kenner in Bescheidenheit. „Man kann die Volksmusik nicht wirklich beeinflussen", gibt der Obmann des Vereins zu bedenken. Aber man könne ihr einen Rahmen geben, junge Musiker unterstützen und Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. Auch eine „Käseglocke" wollen sie der Volksmusik nicht überstülpen. Und der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit der Volksmusik erteilen sie keine Absage.

Gut möglich außerdem, dass sich auch durch die neuen Räumlichkeiten des Vereins im „Haus der Musik" Unerwartetes tut. Schließlich residiert man seit einigen Wochen jetzt Tür an Tür mit den „Innsbrucker Festwochen der Alten Musik" und anderen Institutionen. Die der Offenheit ebenso wie der Authentizität zugeneigten Vereins-Akteure scheint das zu freuen. (Markus Stegmayr)