Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.01.2019


Musik

Debussys hohe Kunst der Klänge und Farben

Claude Debussy (1862–1918), einer der prägenden Väter der musikalischen Moderne.

© ImagoClaude Debussy (1862–1918), einer der prägenden Väter der musikalischen Moderne.



Die Abschlussmatinee der Tiroler Festspiele Erl beginnt bzw. begann heute Sonntag mit „Prélude à l'après-midi d'un faune". Schön, dass Debussy kein Gedenkjahr braucht. Auch der CD-Katalog ist gut gefüllt. Schön aber auch, dass das knapp zurückliegende Debussy-Gedenkjahr 2018 (er starb 1918 in Paris) begangen wurde und die weltbesten Interpreten mitmachten. Neue Ausgaben des Gesamtwerks brachten die Labels Deutsche Grammophon und Warner Classics heraus. Eine exquisite Reihe mit besonderen Sidesteps veröffentlichte harmonia mundi bis in den Spätherbst hinein. Die folgenden CDs stammen aus dieser Serie.

Das Ungewöhnlichste dieser Alben: „Debussy ? et le jazz". Die neuen Klänge und Farben, die der französische Meister so unerschöpflich zauberte, haben die Jazzer fasziniert und nachhaltig beeinflusst. Nun machte sich — mit dem nötigen Respekt — das Quatuor Debussy an eine Bearbeitung von zehn der 24 Préludes, bei einigen unterstützt von führenden französischen Jazzmusikern an Klavier, Bass, Akkordeon und Vibraphon. Spannend und richtig cool.

Von eindringlicher Musikalität und Sensibilität (das gilt für die ganze Reihe) sind die drei späten Sonaten, die für die Violinsonate wieder das grandiose Duo Isabelle Faust und Alexander Melnikov zusammenführen sowie den Cellisten Jean-Guihen Queyras mit dem Pianisten Javier Perianes. Xavier de Maistre (Harfe) trifft auf Antoine Travestiti (Viola) und Magali Mosnier (Flöte). Dazwischen spielt Tanguy de Williencourt, den kennen zu lernen ein Gewinn ist, mehrere Solo-Klavierwerke aus Debussys letzten Jahren.

Für Solo-Klaviermusik sind weiters Nikolai Lugansky, Roger Muraro und Javier Perianes aufgeboten. Muraro steuert nach zwölf Etüden die Rarität einer pianistischen Debussy-Hommage von Olivier Messiaen bei, die er erstmals 2017 öffentlich vorgestellt hat.

Das Philharmonia Orchestra unter dem Dirigat von Pablo Heras-Casado ist mit dem „Martyrium des heiligen Sebastian", „Prélude à l'après-midi d'un faune" und „La Mer" orchestral eindrucksvoll vertreten, wobei „La Mer" von Alexander Melnikov und Olga Pashchenko auch in der vierhändigen Klavierfassung vertreten ist. Sophie Karthäuser und Stéphane Degout präsentieren mit ihren Stimmfarben und enger Sprachbeziehung auf zwei Silberscheiben Lieder, mit ihnen die Pianisten Eugene Asti und Alain Planes. (u.st.)