Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Innsbruck

Josef Bulva: Denkend und virtuos über Musik erzählen

Der internationale Starpianist Josef Bulva konzertiert kommenden Sonntag erstmals in Innsbruck. Er spielt zum Gedenken an die frühere Bürgermeisterin Hilde Zach, deren Todestag sich heute zum achten Mal jährt.

Josef Bulva an einem Übungsklavier. Ein Wunder, dass der Virtuose nach schwerster Handverletzung wieder spielen kann.Foto: Imago

© imago stock&peopleJosef Bulva an einem Übungsklavier. Ein Wunder, dass der Virtuose nach schwerster Handverletzung wieder spielen kann.Foto: Imago



Innsbruck – Der Kernsatz fällt gegen Ende des Telefonats: „Wir Interpreten sind nicht mehr als das Dienstpersonal des Komponisten.“ Das klingt so trocken, aber doch auch so reich an Hintergrund wie die Formulierung des Musikkritikers Joachim Kaiser über Josef Bulva: Er sei „der Pianist des wissenschaftlichen Zeitalters“. Der tschechische Virtuose konzertiert am 20. Jänner im Haus der Musik (20 Uhr). Es ist sein erster Auftritt in Innsbruck, ein Benefizkonzert zugunsten der Life-goes-on-Initiative im Gedenken an die frühere Bürgermeisterin Hilde Zach, deren Todestag sich heute zum achten Mal jährt.

Josef Bulva, Jg. 1943, galt als Wunderkind, als er eine erstaunliche Virtuosität entwickelte. Er wurde Staatssolist der damaligen Tschechoslowakei, nützte aber nach einem schweren Unfall 1972 seine erste Auslandstournee zur Flucht und wurde luxemburgischer Staatsbürger. In München bewohnt er seit über 45 Jahren eine Suite des Hotels „Vier Jahreszeiten“.

Die Konzertsäle der Welt standen ihm offen, er spielte Schallplatten ein, war in den Medien präsent, zog sich aber, trotz des Credos „Bin geboren, um Klavier zu spielen“, vom Konzertpodium zurück.

Im März 1996 verletzte sich Bulva bei einem Sturz die linke Hand so schwer, dass seine Karriere als beendet galt. Er zog sich nach Monaco zurück und begann sich in der Finanzwelt neu zu orientieren.

Ganz ließ sich seine Kunst aber nicht unterdrücken. Nach einer spektakulären Chirurgenleistung kämpfte er sich eisern ans Klavier zurück. Nach 14 Jahren, 2009, war der Musiker wieder da.

Josef Bulvas Virtuosentum gründet in substanzieller Analyse. Er hat schon früh mit Komponisten gearbeitet, erkundet mit ihnen Werkstrukturen. „Die musikalisch gesteigerte Reife deutender Fantasie ist unverkennbar, überraschend weich und präzise“, schrieb ein Kritiker der Süddeutschen Zeitung.

Selbst in einem ersten Orientierungsgespräch zwischen Monaco und Innsbruck ist Grundlegendes von ihm zu lernen, ist er als Analytiker, kreativer Denker, unbestechlich Wertender erfahrbar.

Selbstdarstellerischen Tanzereien am Klavier kontert er: „Wir sitzen am Klavier und rufen ab, was wir zurechtgelegt haben, um möglichst viel über den Komponisten zu erzählen.“ Bei Beethoven etwa heißt das: „Der erste Satz der Mondscheinsonate ist keine Träumerei, sondern eine dreistimmige Invention.“

Bulvas Blick ist unbestechlich. Musikwettbewerbe sieht er als Ausnützung junger Talente. Opernregisseure, die sich nicht am Werk orientieren, sollen sich ihre eigene Musik dazu schreiben.

Die nächsten Konzerte führen Bulva u. a. in den Wiener Musikverein. In Innsbruck spielt er am Sonntag Werke von Mozart, Beethoven, Chopin und Skrjabin. (u.st.)