Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Musik

Jänner-Konzert des TSOI: Scherz, Ironie, tiefere Bedeutung

Tiroler Symphonieorchester Innsbruck mit Schelmenweisen und ein jugendlicher Auftakt.

Im Vorkonzert die Musikschüler an der Seite von Orchestermitgliedern. Im Bild rechts Walter Enko, Leiter des Musikschulorchesters.

© Wolfgang AlbertyIm Vorkonzert die Musikschüler an der Seite von Orchestermitgliedern. Im Bild rechts Walter Enko, Leiter des Musikschulorchesters.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – „Schelmen­weisen“ war das Stichwort für das Jänner-Konzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck (TSOI) unter dem offensichtlich humorbegabten Gastdirigenten Alexander Shelley. Er hatte nicht nur das weite Feld der klingenden Pointe zu beackern, sondern auch den pädagogischen Auftrag zur Präsentation des jährlichen Vorkonzertes der Jugendphilharmonie der Musikschule Innsbruck.

Noch immer ist den engagierten Kindern und Jugendlichen mit diesem absurd hoch gegriffenen Ensemblenamen nicht gedient. Auf ihrem Level aber gebührt ihnen Aufmerksamkeit und Anerkennung, da können sie ihre Stufe überschreiten, staunen machen über Können, Einsatz und Verständnis. Walter Enko, seit vielen Jahren verdienstvoller Leiter dieses Schulorchesters, hat ihm diesmal heiße Filmmusik aufgelegt, die auf eingängige Titel zurückgeht und von Musikschuldirektor Wolfram Rosenberger arrangiert wurde: Harold Faltermeyers „Axel F.“, Titelmelodie aus „Beverly Hills Cop“, sowie Stev­e Winwoods Song „Gimm­e Som­e Lovin“, verwende­t in dem Film „The Big Chill“.

Ein schmissiger Auftakt, der im Hauptprogramm des TSOI mit einem auftrumpfenden Eröffnungsakkord zur „Il barbiere di Siviglia“-Ouvertüre seine Fortsetzung fand. Da wurde Gioachino Rossini ein­e dicke Scheibe Gänsestopf­leber auf das Filet gelegt – oder das bekannte Stück, zwar nicht überbesetzt, aber als wirkungsvolles Konzertstück begriffen, nahm schon das Furioso von Richard Strauss’ „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ auf.

Friedrich Guldas „Konzert für Violoncello und Blas­orchester“ war ein Schelmenstück mit Herzblut des Pianisten und Bürgerschrecks, und bleibt eine Herausforderung für Cellisten. Dass und wie sich Michael Tomasi, Solo­cellist des TSOI, an dieses Stück voller Chancen, Wahnwitz und Zumutungen heranmachte, ist bewundernswert. Im Zentrum all des Ländlichen, Virtuosen, Witzigen, postierte er mit lyrischem Gesang und seelenvollem Ernst die solistische „Cadenza“ als Mittelpunkt.

„Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ steht nicht nur über einer alten Theaterkomödie, der Titel trifft auch dieses Konzertprogramm. Joseph Haydns „Abschiedssymphonie“ endet zwar, äußerst mutig und pointiert, mit dem gestaffelten Abgang der Musiker mitten im Spiel, ist aber auch voll „tieferer Bedeutung“. Ernste Musik, im Congress vom TSOI klein besetzt mit kaum Vibrato vorgetragen, insgesamt aber doch eher einförmig. Das änderte sich vehement im Schlussstück, in das Alexander Shelley in einer Umbaupause plastisch eingeführt hatte. Die alte Schelmenweise von Till Eulen­spiegel präsentierte der Brite, wie es dem Werk zusteht, als Kabinettstück an Orchestervirtuosität, mit all dem Schwung und Pomp und der finalen Poesie, die ihm zusteht. Glänzend und makellos in Ton und Ausdruck das Solohorn von Juan B. Berna­t Sanchis.