Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.02.2019


Musik

Der Groove nimmermüder Disco-Nächte

At Pavillon legen mit „Believe Us“ ihr Debütalbum vor und erwecken damit den Indie-Rock der Nullerjahre zu neuem Leben.

Das längst fällige Debütalbum von At Pavillon liegt mit „Believe Us“ nun vor; ein Konzerttermin in Tirol steht in der aktuellen Tour bisher noch aus.

© catalina_ko__rberDas längst fällige Debütalbum von At Pavillon liegt mit „Believe Us“ nun vor; ein Konzerttermin in Tirol steht in der aktuellen Tour bisher noch aus.



Von Barbara Unterthurner

Wien – Funkiger als Maxim­o Park, mehr Disco als Bloc Part­y, poppiger als Franz Ferdinand: Wenn man die Comb­o von At Pavillon beschreiben möchte, ist man dem Stil der Band im Denken in Unterschieden näher als in direkten Gemeinsamkeiten mit anderen. Was sich als durchaus positiv herausstellt, denn At Pavillon streifen mit ihrem absolut tanzbaren Sound so viele Einflüsse, dass der Mix zu einem ganz persönlichen Stil wird. Eine Richtung, die nun auf Platte gepresst zu haben ist: At Pavillon legen mit „Believe Us“ ihr Debütalbum vor. Das Label Indie-Rock ist dabei nur ein großer Überbegriff.

Wie weit dieser Begriff gespannt werden kann, zeigt sich an den aktuellen FM4-Charts: Die Briten von The 1975 – derzeit hoch im Kurs – sind schon fast soulig unterwegs, während die aufsteigenden (Wahl-)Wiener von At Pavillon eindeutig dem Discosound verpflichtet sind. Das sieht man schon an den Outfits der Mittzwanziger: Geblümte Hemden sind ein Must-have. Für alle vier natürlich das gleiche.

At Pavillon existieren in dieser Form bereits seit einigen Jahren. Das multinationale Quartett um Sänger Mwita Mataro stand schon auf den großen Indie-Bühnen des Landes. Und trotzdem: eine EP, ein paar Singles, aber bisher keine große Veröffentlichung. Das vor wenigen Tagen erschienene „Believe Us“ war somit also längst fällig. Der Groove darauf ist unverkennbar: Bereits der Opener „Believers“ gibt den Rhythmus vor. Er ist die erste Single­auskoppelung, die mitsamt hochtheatralischem Video veröffentlicht wurde – und die riecht verdächtig nach nimmermüden Disco-Nächten.

In die gleiche musikalische Kerbe schlägt auch das vorwärtstreibende „Lions“, das neben den cleanen Gitarrenriffs sogar crunchige Soloparts zulässt. „Face It“ wartet hingegen melodisch mit einem klaren Indie-Rock-Them­a auf, wie Indie-Gitarren sie schon 2005 vor sich hinträllerten. Besonders in den Refrains steckt der Wiedererkennungswert der Wiener Combo, die eingängigen Popstrukturen beherrscht At Pavillon wie aus dem Effeff. Genauso wie knackige Hook­lines („You Got All Eyes on You“).

Radiotauglichkeit kann man auch der Nummer „Disco Demolition Night“ (in der James Brown kurz wieder­aufersteht) und dem pathetischen „Ketamine“ attestieren: Mit „You will lose nothing, nothing except your chains“ zeigt sich schon ganz gut, wo die Truppe textlich hinmöchte. Klarer ist hier nur noch „Stop This War“. Denn im Gegensatz zu den locker-flockigen Rhythmen wiegt so manche Textstelle von Frontman Mataro schwer. At Pavillon sprechen sich, lobenswert für eine junge Band, offen gegen Alltagsrassismus, Gewalt und Diskriminierung aus. Besonders Sänger Matar­o möchte hier als positives Beispiel vorangehen, erzählt er in Interviews. Der Salzburger mit tansanische­n Wurzeln sei bereits aufgrund seiner Hautfarbe verbal angegriffen worden.

Selbstbewusst und selbstverständlich jonglieren At Pavillon mit wichtigen Themen – das Ergebnis ist schlauer und zugleich tanzbarer Indie. Und die charismatische Stimme des Frontmans sorgt für den charakteristischen Sound. At Pavillon legen ein solides Debüt vor, das nahtlos an den Nullerjahre-Indie-Boom anschließt, aber nicht altbacken wirkt. Indie-Rock ist tot, lang lebe der Indie-Rock!

Indie-Rock At Pavillon: Believe Us. Las Vegas Records.