Letztes Update am Mo, 11.02.2019 15:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Los Angeles

Grammy-Gala in Frauenhand, Rapper Childish Gambino holte Hauptpreis

Zu wenig Hip-Hop, zu viele Männer: Diese alte Kritik scheint bei den Grammys endgültig angekommen zu sein. Dominiert wurde die Gala von Frauen, Michelle Obama begeisterte mit einem Überraschungsauftritt. Und Rapper Childish Gambino holte zwei Hauptpreise des Abends.

Gemeinsam auf der Bühne: Lady Gaga, Jada Pinkett Smith, Alicia Keys, Michelle Obama and Jennifer Lopez.

© AFPGemeinsam auf der Bühne: Lady Gaga, Jada Pinkett Smith, Alicia Keys, Michelle Obama and Jennifer Lopez.



Los Angeles — Als erster Rapper hat Childish Gambino bei der Grammy-Verleihung den Hauptpreis für die beste Aufnahme des Jahres gewonnen. Sein Song „This Is America" setzte sich bei der Gala am Sonntag in Los Angeles unter anderem gegen Drake mit „God's Plan" sowie Kendrick Lamar und SZA mit „All The Stars" durch. „This Is America" gewann auch den Preis für das beste Lied des Jahres.

Childish Gambino, bürgerlich Donald Glover, verfasste den Titel zusammen mit dem schwedischen Songschreiber Ludwig Göransson. Vor allem das dazugehörige Musikvideo, das voller Metaphern rund um Rassismus und Waffengewalt in den USA steckt, hatte für Gesprächsstoff gesorgt. Childish Gambino rappt über die Widersprüche eines Lebens als Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten und tanzt im Video mit nacktem Oberkörper, während um ihn herum Gewalt und Chaos ausbrechen.

- AFP

Die Menschen könnten sich unabhängig von ihrer Herkunft mit „This Is America" identifizieren, sagte Göransson über den Song. „Er prangert Ungerechtigkeit an, feiert das Leben und vereinigt uns gleichzeitig." Glover erschien nicht zu der Verleihung. Auch Beyoncé und Jay-Z, Taylor Swift und Kendrick Lamar blieben der Gala fern.

Abend wurde von Frauen beherrscht

Der von Sängerin Alicia Keys moderierte Abend wurde über dreieinhalb Stunden klar von Frauen beherrscht. Unter anderem waren Auftritte von Lady Gaga, Janelle Monáe, Jennifer Lopez und H.E.R. zu sehen. Besonders gefeiert wurden Soul-Sängerin Diana Ross und Country-Musikerin Dolly Parton. Die frühere First Lady Michelle Obama kam als Überraschungsgast auf die Bühne. „Ob wir Country, Rap oder Rock mögen: Musik hilft uns dabei, uns selbst, unsere Würde und unser Leid, unsere Hoffnungen und Freude zu teilen", sagte die 55-Jährige. „Musik hat mir immer geholfen, meine Geschichte zu erzählen."

Auch viele wichtige Preise gingen an Frauen: Die Trophäe für das beste Album des Jahres gewann US-Sängerin Kacey Musgraves mit „Golden Hour". Rapperin Cardi B wurde zur ersten Frau, die als Solo-Künstlerin den Grammy für das beste Rap-Album gewann. Als beste neue Künstlerin des Jahres wurde die britische Sängerin Dua Lipa („New Rules") ausgezeichnet. Die 23-Jährige verwies in ihrer Dankesrede darauf, dass dieses Jahr viele großartige Künstlerinnen für Preise in den insgesamt 84 Kategorien nominiert worden seien.

„Offenbar haben wir uns richtig gesteigert", sagte Dua Lipa. Ihr Kommentar war ein Seitenhieb auf Neil Portnow, scheidender Präsident der für die Grammys zuständigen Recording Academy. Portnow hatte vor einem Jahr gesagt, Frauen müssten sich „steigern", wenn sie bei der Verleihung stärker vertreten sein wollten. Nach Kritik von Fans und Musikerinnen erklärte er, den falschen Ton getroffen zu haben, und kündigte Maßnahmen an, um „eindeutige Hürden und unbewusste Vorurteile" gegenüber Frauen in der Musikindustrie abzubauen.

Lady Gaga.
Lady Gaga.
- AFP

Viele Preise zuvor in kleiner Zeremonie verliehen

Die meisten der insgesamt 84 Grammys wurden schon vor Beginn der großen Show in einer kleineren Zeremonie ohne Fernsehübertragung verliehen. So erhielt Superstar Lady Gaga bereits zwei Preise. Ausgezeichnet wurde sie für den besten Solo-Auftritt in der Popsparte für ihren Song „Joanne (Where Do You Think You're Goin'?)" und als Komponistin für die Ballade „Shallow" aus dem Film „A Star Is Born". (dpa, TT.com)

Der schwedische Komponist Ludwig Göransson mit seinen Awards (er ging als Gewinner der Kategorie "Beste Aufnahme" für  "This Is America" von Childish Gambino hervor).
Der schwedische Komponist Ludwig Göransson mit seinen Awards (er ging als Gewinner der Kategorie "Beste Aufnahme" für "This Is America" von Childish Gambino hervor).
- AFP
Gewinner der wichtigsten Kategorien
Aufnahme des Jahres: Childish Gambino - "This Is America"
Song des Jahres: Childish Gambino - "This Is America"
Bester Newcomer: Dua Lipa
Beste Pop-Solo-Performance: Lady Gaga - "Joanne"
Beste Pop-Duo-Performance: Lady Gaga und Bradley Cooper - "Shallow"
Bestes Popgesangs-Album: Ariana Grande - "Sweetener"
Bestes traditionelles Popgesangs-Album: Willie Nelson - "My Way"
Bestes Dance-/Electronic-Album: Justice "Woman Worldwide"
Bestes Rock-Album: Greta Van Fleet - "From the Fires"
Bestes Rap-Album: Cardi B - "Invasion of Privacy"
Bester R&B-Song: Ella Mai - "Boo'd Up"
Bestes zeitgenössisches Album: The Carters - "Everything is Love"

Beste Orchester-Performance: Andris Nelsons, Boston Symphony Orchestra - "Schostakowitsch Symphonien 4 und 11"

HintergrundDie Grammy Awards zählen zu den begehrtesten Auszeichnungen der Musikwelt. Die "National Academy of Recording Arts and Science" (NARAS), kurz auch "The Recording Academy" genannt, vergibt das musikalische Pendant zum Oscar-Filmpreis jährlich seit 1959.

Über die Nominierten und Preisträger entscheiden rund 13.000 Academy-Mitglieder - unabhängige Experten aus der Szene, die sich als Sänger oder Komponisten, Dirigenten, Produzenten, Arrangeure oder Toningenieure einen Namen gemacht haben. Bei der 61. Grammy-Verleihung am Sonntag in Los Angeles wurden musikalische Bestleistungen in 84 Kategorien gekürt.