Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Innsbruck-Konzert

EAV nahm in ausverkaufter Olympiahalle Vollbad im Fanjubel

Die EAV zog beim mutmaßlichen Abschieds-Gig in Innsbruck die Massen an und gab den Fans, was sie wollten: Hits und Gags aus vier Jahrzehnten.

Da freut sich nicht nur die Sau. Sänger Klaus Eberhartinger als Dreh- und Angelpunkt der EAV.

© Thomas Boehm / TTDa freut sich nicht nur die Sau. Sänger Klaus Eberhartinger als Dreh- und Angelpunkt der EAV.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Klaus Eberhartinger lässt die Frage des Älterwerdens den ganzen Abend nicht los. Immerhin hat der Frontmann und Sänger der Poprockband Erste Allgemeine Verunsicherung vulgo EAV inzwischen selbst fast 69 Jährchen auf dem Buckel. Verstecken muss er sich aber nicht. Fit wie seine beiden Turnschuhe schupft Eberhartinger am Dienstagabend drei (pausenlose) Stunden lang den Auftritt der EAV in der ausverkauften Innsbrucker Olympia­halle. 5500 Besucher füllen die Sitzreihen, um der angeblichen Abschiedstournee beizuwohnen. Man wird sehen, ob es bei dieser Ankündigung auch wirklich bleibt.

Die Sechs-Mann-Band bringt die schwer bespielbare Großlocation hurtig auf Betriebstemperatur. Sie arbeitet sich im schnellen Galopp durch Songs aus 40 Karrierejahren. Neben Eberhartinger ist nur noch Gitarrist Thomas Spitzer aus der Urzeit der EAV mit dabei. Eberhartinger ist die Stimme der Band, doch von Spitzer stammt sämtliches Songmaterial.

Die Show kann sich sehen und hören lassen. Sie ist professionell, durchgetaktet und speedy, ohne aber glattgebürstet zu wirken. Der Lautstärkeregler hat einige Umdrehungen hinter sich. Dem Publikum, überwiegend in der Altersgruppe zwischen 30 und 60, fliegen anfangs fast die Ohrwaschl weg bei so viel Saft und Kraft aus der Anlage.

Spitzer würgt zur Rechten die Gitarre. Doch Eberhartinger steht, hüpft oder tänzelt im Mittelpunkt. Er ist ein Temperamentsbündel, das kaum stillsteht und die Menge vollquasselt, wenn er nicht gerade singt. Ein paar Durchschnaufer zwischen den Songs und weiter geht’s. Fast nach jedem Lied wechselt Eberhartinger das Outfit. Die dafür zuständige Mitarbeiterin kann einem nur leidtun.

Was auf dem Programm steht? Unfassbar viele Hits nach dem Motto „Ah ja, das ist ja auch von der EAV“. Dreimal so schnell gespielt wie einst auf Platte, kommt das angegraute Liedgut live recht rockig herüber. Alles wird aufgeboten: heulende Mafiosi in „Heißen Nächten in Palermo“, in Seide gehüllte Spießer als Sextouristen („Samurai“), verhinderte Räuber beim „Ba-Ba-Banküberfall“ und radebrechende Frohnaturen, die mit einem „Alpen-Rap“ so gar nichts am Hut haben. Und, und, und.

Zwischendurch versucht sich Eberhartinger als Privatdozent im Fach der angewandten Politikwissenschaft. Beklagt rechte Tendenzen in der Gesellschaft, macht sich stark für Toleranz und gegen Fremdenhass. Aller Ehren wert. Richtig platt aber ist seine pauschale Ansage, wonach die Welt der Politik eine solche der Un-Ehrlichkeit sei: Politiker als „käufliche Liebesdiener und Schlampen“, die für Geld alles tun. Na ja.

Das Publikum quittiert solche Exkurse des „Dancing Stars“-Moderators mit höflichem Applaus. Gekommen ist es in erster Linie, um EAV-Gassenhauer (wieder) zu höre­n. Und deren gibt es so viele, dass manche nur Medley-mäßig angespielt werden.

Flugs taucht die Altersfrage wieder auf. Jetzt kriegen gealterte Berufskollegen der Stilrichtung Austropop ihr Fett ab. Songs von STS und Wolfgang Ambros werden köstlich und deftig persifliert. Die veralberten Musiker können mit Eberhartinger und Co. auch längst nicht mehr mithalten.

Am Ende der Zugabenrunde steht bei der EAV traditionell das Lied „Morgen“, jener Zeitpunkt also, an dem nach durchzechter Nacht ein neues Leben angefangen wird. Oder auch nicht.

Dann wird es noch richtig familiär. Zum Feierabendbierchen werden Mitarbeiter und fleißige Hände von hinter der Bühne vor den Vorhang geholt. Eine sympathische Geste und bei Konzerten eher die Ausnahme.

Angesichts ihrer aktuellen Verfassung ist es schwer zu glauben, dass die EAV nach dieser Tournee tatsächlich aufhört. Vielleicht hat man es aber irgendwann auch einfach satt, dieselben Lieder immer und immer wieder neu erfinden zu müssen.