Letztes Update am Di, 26.03.2019 09:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Musik aus Tirol

„Gefühle Vollgas hinausschreien“: Tiroler Band überzeugt US-Label

2017 auf der Novarock-Bühne dachte Tripsitter, alle Ziele wären erreicht. Jetzt hat die Tiroler Hardcore-Band einen Deal mit einem großen amerikanischen Metal-Label in der Tasche und bringt ihr erstes Album heraus.

Alex Farnik, Christopher Jais, Hubert Halder und Meinhard Taxer stellen ihr Debüt-Album "The other Side of Sadness" am 18. Mai in der Jungen Talstation in Innsbruck vor.

© TripsitterAlex Farnik, Christopher Jais, Hubert Halder und Meinhard Taxer stellen ihr Debüt-Album "The other Side of Sadness" am 18. Mai in der Jungen Talstation in Innsbruck vor.



Von Anja Larch

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Innsbruck – Es läuft bei den vier Burschen aus dem Wipptal, kann man sagen. Meinhard Taxer (Gesang, Gitarre), Hubert Halder (Bass), Christopher Jais (Gitarre) und Alex Farnik (Schlagzeug) – zusammen die Posthardcore-Band Tripsitter – haben gerade ihr erstes Album vollendet, einen Vertrag mit dem amerikanischen Label „Prosthetic Records“ unterschrieben und gehen ab Ende April auf Tour quer durch Europa.

„Dieses Jahr ist einfach der Wahnsinn für uns“, fasst Sänger und Gitarrist Meinhard Taxer die momentane Gefühlslage der Band im TT-Gespräch zusammen. Drei Wochen lang wird Tripsitter demnächst mit der englischen Band Polar, die die vier selber leidenschaftlich gern hören, die Bühnen Polens, Großbritanniens, Deutschlands, der Schweiz und Tschechiens bespielen. Danach stehen vermutlich noch größere Tourneen – auch außerhalb Europas – an, wie Taxer, Halder und Farnik durchklingen lassen. Für die Musiker noch schwer zu fassen. „Aber das ist jetzt wohl die Belohnung für alles, was wir hineingesteckt haben. Wir waren immer mit Herzblut dabei“, klopft Halder sich und seinen Bandkollegen dann aber doch auf die Schulter.

Einfach sei es nämlich sicher nicht gewesen, als kleine Band aus dem Wipptal den Bekanntheitsgrad nach und nach aufzubauen. „Am Anfang war es schon sehr hart“, erzählt Taxer. „Wir haben unglaublich viele Konzerte gespielt, die wir natürlich alle selber organisieren mussten. Oft haben wir auf unsere Anfragen gar keine Antwort bekommen.“ Da habe es häufig auch Momente gegeben, in denen die Band „einsackte“. Zum Glück hätten genau dann aber immer wieder Lichtblicke zum Weitermachen motiviert, wie das sagenhafte Angebot, 2017 am Novarock-Festival in Nickelsdorf zu spielen. „Da hat uns der Organisator ganz kurzfristig angerufen“, erklärt Taxer, „eine Band hatte ihm abgesagt, er fand uns gut – ob wir nicht spielen wollen. Das war eine Woche vor Festivalstart, Bedenkzeit hatten wir nur zwei Stunden.“ „Da kannst du natürlich nicht Nein sagen“, wirft Halder ein, „das war immer unser höchstes Ziel. Eigentlich wollten wir es als Band gut sein lassen, wenn wir es einmal auf ein Festival geschafft haben.“

Auf die Novarock-Bühne ins Scheinwerferlicht hinauszugehen und vor sich nur „Köpfe, Köpfe, Köpfe“ zu sehen ließ die vier dann aber erst richtig Blut lecken. Ab 2017 wurde die Arbeit am ersten Album konkret und ein Band-Manager kam ins Spiel. „Jack Rogers aus England, der selbst bei der Band Canvas spielt, hat unser Video ,Metamorphose‘ auf YouTube gesehen, uns angeschrieben und angeboten, uns zu managen. Seitdem gehen wir auf richtig große Tourneen“, erklärt Schlagzeuger Farnik. Was Rogers an dem Video wohl so beeindruckt habe? „Wir sehen uns nicht nur als Musiker, sondern wollen ein Gesamtkunstwerk bieten. Das Video zu ,Metamorphose‘ haben wir selbst gemacht, von Storybook über Regie bis hin zur Ausführung. Dieses einheitliche Ganze ist vielleicht einfach angekommen“, so Taxer. Auch bei der Aufmachung des Debüt-Albums haben die Wipptaler selbst Hand angelegt, sich für die Masken auf dem Cover „wochenlang mit Papp-Maché herumgeschlagen“.

Album als „Selbsthilfeprojekt“

Aber nicht nur die Gestaltung, auch die Musik auf „The other Side of Sadness“ ist zu hundert Prozent von den vieren gemacht, und zwar nicht etwa von einem allein als Songwriter, sondern im Kollektiv. „Jeder von uns hat vorher in jeweils drei Texten versucht, sein Innerstes niederzuschreiben. Das Geschriebene haben wir dann auf das Wesentlichste heruntergebrochen, was wiederum zu den Songtexten geworden ist“, erläutert Taxer. Bei allen habe in der Zeit der Album-Entstehung gerade ein großer Umbruch stattgefunden, der sich in Text und Musik widerspiegelt. „Das Album mag über weite Strecken eine dunkle, düstere Stimmung verbreiten, aber drückt dann auch Hoffnung aus. Wir wollten vor allem zeigen, dass es immer einen Ausweg aus der Trauer gibt“, sind sich die Musiker einig. Das sei auch die Erklärung für den Titel: Trauer habe immer auch eine positive Seite an sich, könne neue Türen öffnen. „Wir alle konnten durch die Arbeit am Album viel für uns persönlich aufarbeiten, eigentlich war es eine Art Selbsthilfeprojekt“, fügt Halder hinzu.

"The other Side of Sadness" erscheint am 19. April.
"The other Side of Sadness" erscheint am 19. April.
- Tripsitter

So viel Emotion würde man hinter den Hardcore-Klängen von Tripsitter gar nicht vermuten. Warum eigentlich so „hart“? Ihr Stil habe sich wie von selbst so entwickelt, angefangen habe alles mit ihren eigenen Hörgewohnheiten als Jugendliche. In ein bestimmtes Genre einordnen lassen will sich die Band dennoch am liebsten gar nicht. „Uns ist nur wichtig, ehrlichen Sound zu machen, der uns entspricht – ganz ohne Kategorie.“ Daher rühre auch der Grund für das Schreien: „Singen würde sich für mich niemals so echt und befreiend anfühlen. Meine Gefühle muss ich einfach Vollgas hinausschreien“, erklärt Taxer schmunzelnd. Zur Ehrlichkeit gehöre außerdem, nicht auf seine Wurzeln zu vergessen. „Nur so bewahrst du dir deine Individualität“, werden Taxer, Halder und Farnik im TT-Gespräch wieder ernst. „Auch wenn wir jetzt mehr und mehr Erfolg haben, vergessen wir sicher nicht, dass wir aus einem kleinen Proberaum in Navis kommen.“

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Drei Fragen an Tripsitter (Sänger/Gitarrist Meinhard Taxer, Bassist Hubert Halder und Schlagzeuger Alex Farnik)

Warum eigentlich der Name „Tripsitter“?

Meinhard Taxer: Wir fanden damals, dass der Name einfach cool klingt und als ein einzelnes, nicht zu langes Wort leicht zu merken ist. Im Nachhinein, etwas reflektierter betrachtet, beschreibt er auch sehr gut, was wir machen. Durch die emotionalen Geschichten, die wir erzählen, wird das Publikum auf eine Art Trip geschickt. Gleichzeitig passt die Musik auf diesem Trip auf einen auf.

Wieviel Übung erfordert eine Hardcore-Schreistimme? Hattest du einen Gesangslehrer?

Taxer: Ich habe am Anfang einfach andere ganz viel beobachtet und mir Youtube-Tutorials dazu angeschaut. Im Endeffekt waren wir damals in unserem Proberaum in Navis – den wir übrigens heute noch haben – und hatten dort zwei total schlechte Boxen. Mich als Sänger hat man kaum gehört, und ich hab probiert, so laut wie möglich ins Mikrophon zu schreien. Mir wurde schwarz vor Augen und es hätte mich fast umgehauen. Über Jahre habe ich das einfach immer weiter versucht und lange noch hat man mich nicht gehört – aber irgendwann ist es besser geworden, ich wurde lauter und am nächsten Tag auch nicht mehr heiser. Ich hab wohl zufällig die Technik erlernt, und dazu eine sehr laute Schreistimme entwickelt. Bei vielen anderen schaut das nur so aus und das Mikrophon macht die Lautstärke, das ist auch eine eigene Technik. Ich hatte nie einen Gesangslehrer, das war bei mir höchstens mein Auto. Beim Fahren hab ich nämlich immer das Schreien trainiert. Vor roten Ampeln muss das für die Fahrer daneben lustig ausgesehen haben.

Welches war euer schönstes Konzert bisher und welches das furchtbarste?

Hubert Halder: Abgesehen vom Auftritt am Novarock waren alle Konzerte in Budapest superschön, dort kommt der Sound einfach an. Oder ein Konzert im Venster99-Bogen in Wien: Es waren nicht besonders viele Leute dort, aber jeder, der da war, war zu hundert Prozent dabei. Die Energie in dem Raum war heftig.

Alex Farnik: Das allerletzte Konzert auf unserer Russland-Tour in Tula war auch gewaltig schön. Da waren wir mit dem Publikum zusammen wie eine große Familie. Unser Booking-Agent hatte vorher unsere Songs auf Vkontakte.ru – das russische Facebook sozusagen – zum freien Download geladen. Dadurch haben uns dann total viele Leute schon gut gekannt.

Halder: Das furchtbarste könnte auch ein Konzert in Russland gewesen sein, wo uns die PA-Anlage eingegangen ist. Der Rauch ist aufgegangen und die Boxen haben nicht mehr funktioniert. So richtig schlecht in Erinnerung haben wir aber eigentlich kein einziges Konzert.

Tourdaten

Termine Album-Release-Tour

21.04. - Venster 99, Wien

22.04. - Poglos, Warschau

24.04. - DK Luskus, Breslau

25.04. - Dürer Kert, Budapest

26.04. - Kulturak Klub, Bratislava

Termine Album-Release-Tour mit Polar

03.05. - Boston Music Room, London

04.05. - Kavka, Antwerpen

05.05. - Hafenklang, Hamburg

06.05. - MTC, Köln

07.05. - Z-Bau, Nürnberg  

08.05. - Underdogs, Prag

09.05. - Musik & Frieden, Berlin

10.05. - Naumanns, Leipzig  

11.05. - Cafe Nova, Essen  

12.05. - Lux, Hannover

13.05. - Backstage, München

14.05. - Kiff, Aarau  

15.05. – Schlachthof, Wiesbaden

Album-Release-Show in Innsbruck

18.05. - Junge Talstation, Innsbruck