Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.03.2019


Musik

Die Cellosuiten Bachs als Spiegel der Zeit

Im Rahmen der Konzertreihe musik+ präsentierte Jean-Guihen Queyras „seinen Bach“ im Haus der Musik.

Selig versunken mit Johann Sebastian Bach: Jean-Guihen Queyras ist ein mit dem Glück des Findens ausgestatteter Suchender.

© HauserSelig versunken mit Johann Sebastian Bach: Jean-Guihen Queyras ist ein mit dem Glück des Findens ausgestatteter Suchender.



Innsbruck – Die sechs Cellosuiten von Johann Sebastian Bach sind eine Herausforderung, der sich ein ernstzunehmender Cellist stellen will bzw. muss. Da verhält es sich so wie im Sport. Was dem Radprofi die Tour de France ist, das sind dem Cellisten Bachs Suiten für Violoncello solo, BWV 1007–1012.

In der Zeit zwischen 1717 und 1723 komponiert, sind die Werke in keiner autographen Handschrift überliefert. Hinweise zur Interpretation – Fehlanzeige. Nichts ist fix und somit liegt selbige in der Freiheit des Interpreten.

Seit der Wiederentdeckung der Suiten durch Pablo Casal zeig(t)en die jeweils größten Cellisten der Zeit ihre Sicht auf das Maß aller Cello-Dinge. Einer der großen Cellisten unserer Zeit, Jean-Guihen Queyras, präsentierte die Suiten III, IV und V im Haus der Musik in Innsbruck.

Queyras sieht die Suiten offensichtlich als Auftrag, sich diese zu erarbeiten, zu verinnerlichen und sie als seinen Bach zu präsentieren. Doch nicht nur mit dem Zwang ausgestattet, neue Wege zu finden, ist dem Franzosen auch der Segen beschieden, solche zu finden. Mit geradezu rekordverdächtigen Tempi rauscht er durch die Stücke, lotet die Variablen Dynamik, Phrasierung, Akzentuierung ins Extrem aus. Er geht Tempi, bei denen sich verklingende Töne mit anklingenden vermischen, sodass man glaubt, mehrstimmige Stücke zu hören. Mit forte und piano im abrupten, aber sinnfälligen Wechsel erzeugt er magische Echowirkungen.

Erfahren in der historischen Aufführungspraxis, setzt Queyras auf Klangpracht und Vitalität. Sein Bach schwebt durch den Raum, fliegt, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Lupenreine Phrasierungen, Hingabe und Ernsthaftigkeit gleichermaßen ließ er auch drei in Auftrag gegebenen Reflexionen zu Bach von György Kurtág, Gilbert Amy und Misato Mochizuki zuteilwerden. Wahre Kostbarkeiten, diese durchwegs fragilen Miniaturen, die in ihrer Wirkung den Fokus auf Bach maximierten.

Ein Konzertabend der großen Emotionen. (hau)


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