Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.04.2019


Innsbruck

Christoph Sietzen in Innsbruck: “Schätze“ des Marimba-Meisters

Der Salzburger Christoph Sietzen brachte am Samstag in Innsbrucks Vier und Einzig sein Marimba zum Schwingen.

Man könnte meinen, er habe vier Arme: Der Schlagwerkmeister Christoph Sietzen spielt zu schnell für das freie Ohr.

© Luca GasserMan könnte meinen, er habe vier Arme: Der Schlagwerkmeister Christoph Sietzen spielt zu schnell für das freie Ohr.



Von Luca Gasser

Innsbruck – Als „Rising Star“ der European Concert Hall Organisation (ECHO) tourt Christoph Sietzen derzeit durch Europas große Konzerthäuser. Jeunesse lud ihn am Samstag zu einem Konzert ins „Vier und Einzig“ ein. Das Haus ist nicht ganz so groß, erfüllte aber alle klanglichen Ansprüche.

Sobald Sietzen die ersten Töne eines Tangos erklingen lässt, wird klar, warum er als Ausnahmetalent gefeiert wird. Vor jedem Stück macht er eine kurze Pause, hält inne und nimmt einen tiefen Atemzug. Erst dann beginnt er zu musizieren, und dabei ist er vollkommen konzentriert. Seine Miene wird ernst bei leiseren Moll-Passagen und hellt sich auf, wenn es beschwingter wird. Er scheint jeden Ton zu fühlen. Sein Körper spannt und entspannt sich nicht mit der Schnelligkeit der Notenfolge, sondern mit deren Intensität. Das Marimba gibt dafür klanglich viel her. Bei sachten Anschlägen erklingen die Holzstäbe wie von selbst. Bei starken Anschlägen schwingt noch der Boden im Zuschauerraum mit. Dann gibt Sietzen dem Klang viel Raum, indem er die Arme in die Luft reißt. Er meint jeden Ton so wie er ihn spielt.

Zwischen den Musikstücken moderiert Christoph Sietzen das Konzert und stellt die Komponisten vor. Er zeigt sich fasziniert von deren „unterschiedlichen Klangsprachen und eigenen Klangwelten“. So gibt er auch Einblicke in sein Schaffen, weil Sietzen viele Stücke selbst bearbeiten musste, die ursprünglich für ein anderes Instrument geschrieben wurden. Joseph Schwantner schrieb „Velocities“ speziell für das Marimba. In rasanten „Geschwindigkeiten“ jagt er Christoph Sietzen über das gesamte Instrument.

Bei aller Virtuosität neigt Sietzen nie zur Angeberei, wie vielleicht manch anderer Solokünstler. Im Gegenteil, er bekundet vor jedem schwierigen Stück bescheidene Unsicherheit, um dann jede einzelne Note zu treffen. Außerdem genießt er die Musik, wie sein Publikum auch.