Letztes Update am Sa, 06.04.2019 20:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konzert

Roland Kaiser und Nauders: „Liebe auf den ersten Blick“

Roland Kaiser macht seit 24 Jahren in Nauders Urlaub. Am Samstag riss er auf 2200 Metern Seehöhe an die 4000 Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin.

Roland Kaiser im Duett vor rund 4000 Zuschauern am Bergkastel in Nauders.

© ReichleRoland Kaiser im Duett vor rund 4000 Zuschauern am Bergkastel in Nauders.



Von Matthias Reichle

Nauders – Sie tanzten mit Skischuhen, trugen in Anspielung an ihr Idol Kronen auf dem Kopf und waren auch sonst ganz aus dem Häuschen. Dass es in Nauders gestern kein Kaiserwetter gab, spielte keine Rolle mehr – der „echte“ Kaiser heizte seinen Fans gehörig ein.

Zum Beispiel Andrea, die aus Dresden stammt und ein Plakat mit der Aufschrift „Sachsenhühner grüßen Roli“ in die Luft hielt. „Wir sind vier Mädels und gehen jedes Jahr zu Kaisers Konzert am Elbufer“, erklärte sie. Ein Pflichttermin war es auch für Manuela, Evi und Christine, zwei Tirolerinnen und eine Salzburgerin. „Er singt ja sonst nirgends“ – sie seien extra für diesen Tag angereist. Laut Veranstalter waren rund 4000 Menschen gekommen.

Und dann betrat ihr Idol die Bühne am Bergkastel, auf 2200 Metern Seehöhe: Roland Kaiser, der im bürgerlichen Namen eigentlich Ronald Keiler heißt. In weißem Anorak, schwarzen Handschuhen und verspiegelter Sonnenbrille begrüßte er die Fans mit einem Hit, der heuer 31 Jahre alt wird: „Ich glaube, es geht schon wieder los“ – und die Zuschauer gingen mit.

Grüße für "den Kaiser".
Grüße für "den Kaiser".
- Reichle

„Angefangen habe ich vor 45 Jahren auf einer vier mal vier Meter großen Bühne in Berlin – vor 40 Leuten“, erzählte Kaiser, der inzwischen zu den erfolgreichsten Schlagerstars Deutschlands gehört, seinem Publikum: „Ich hab’ mir aber immer gewünscht, hier in Nauders singen zu können.“ Für ihn sei es ein „Heimspiel“, hatte Kaiser Journalisten vor dem Konzert verraten. Seit 24 Jahren komme er nach Nauders auf Urlaub. „Zunächst war es Zufall. Es gibt so etwas wie Liebe auf den ersten Blick“, so Kaiser, dem es die Landschaft und die Menschen angetan haben. „Es ist mein Winterquartier.“ Er sei „ein Familienmitglied“ geworden. Beeindruckt war Kaiser – selbst bekennender Nicht-Tänzer – von der Agilität der Menschen, die in Skischuhen Party machen. Ski fahren kann er selbst nämlich nicht. „Ich habe es versucht, aber keine Begabung dafür“, gestand er. Es sei ja nicht ganz ungefährlich.

Auch auf 2200 Metern Seehöhe aufzutreten, sei für ihn eine Premiere. Stimmlich konnte ihm die Höhenluft dann aber nichts anhaben. Mit seinem kräftigen Bariton mixte Kaiser neue Hits wie „Stark“ mit Evergreens wie „Lieb mich ein letztes Mal“ oder „Santa Maria“.

Die Fans waren begeistert.
Die Fans waren begeistert.
- Reichle

Ans Aufhören denkt der Sänger, der in wenigen Wochen 67 wird, nicht: „Rente ist nicht meine Ambition.“ Das entscheide der Herrgott, wenn es gesundheitlich nicht mehr gehe, oder das Publikum, wenn es ihn nicht mehr sehen möchte. Der Begeisterung der Fans nach zu urteilen, wird das nicht so schnell passieren.

- Reichle