Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.04.2019


Musik

Orchester Akademie St.Blasius: Vier Werke, eine große Symphonie

Das Orchester der Akademie St. Blasius bat Michael Schöch und Susanne Langbein zum Konzert.

Michael Schöch zeigte sich mit Schnittke einmal mehr als ein über alle Stile erhabener Pianist.

© HauserMichael Schöch zeigte sich mit Schnittke einmal mehr als ein über alle Stile erhabener Pianist.



Innsbruck – Da heißt das Programm „Symphonie Classique“ – und sie wird nicht gespielt, die 1. in D-Dur von Sergei Prokofjew, die „Symphonie Classique“. Aber wenn das Orchester der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl ein Programm unter dieses Motto stellt, dann hat es sich dabei etwas gedacht.

Siessl und Co. gehen es von vorne an, von der Gegenwart, mit Günter Zobls (*1973) Orakel für Streicher zurück über Alfred Schnittkes Konzert für Klavier und Streichorchester op. 136 (aus dem Jahr 1979) und Alexander von Zemlinskys „Waldgespräch“ (1895) bis zu Joseph Haydns Londoner Symphonie in D-Dur (1795).

Auch so lässt es sich bunt mischen. Ganz besonders, wenn man über ein tadelloses Orchester und so exzellente Solisten verfügt wie Susanne Langbein (Sopran) und Michael Schöch (Klavier).

Günter Zobls „Orakel“, fürwahr kleines Mirakel im Sinne einer wunderbaren Kostbarkeit: fünf Sätze, anrührende Melodik, atonale Texturen durch präzise Rhythmik und formalen Instinkt gefasst. Zobls­ Musik ist eine, die sprechen soll, Empfindungen auslöst und geistige Welten charakterisiert.

Schnittkes Konzert für Klavier und Streichorchester mit einem wunderbaren Michael Schöch. Mit tiefster innerer Ruhe, kontemplativ, die ganze Konzentration intuitiv auf Schnittkes Musik gerichtet, welche die Verfügbarkeit aller Stile als ein Stilmittel feiert.

Zwischen minimalistischen Phasen und Anklängen an das 19. Jahrhundert angesiedelt, fügt sich Schöch geradezu ideal in dieses etwas romantische und durchaus berührende Klangideal ein.

Wenn man Gespräche bloß so führen könnte wie Susanne Langbein Zemlinskys „Waldgespräch“. Für die Vertonung einer Ballade Joseph von Eichendorffs findet sie die idealen Töne: reinste lyrische Verinnerlichung, spannungsvoll und farbintensiv beleuchtet, dramatisch gesteigert.

Wie Langbein die Begegnung eines wackeren Ritters mit der schön-schaurigen Lorelei zum Klingen bringt, ist „schaurig-schön“.

Joseph Haydn, experimentierfreudiger Komponist, verkörperte zu seiner Zeit die Avantgarde. Jede Phrase der „Londoner“ lässt Siessl vom Orchester präzise durchartikulieren, jedes Motiv entsprechend gewichten. Die Tempi zügig, vorwärtsdrängend, die langsamen Sätze erklingen beseelt mit wohliger Wärme.

In Summe: „Symphonie Classique“! (hau)


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