Letztes Update am Mi, 10.04.2019 20:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Abriss geplant: Im Innsbrucker Hafen geht Ende Juni das Licht aus

Mit dem Hafen schließt mit Ende Juni eine Innsbrucker Institution ihre Pforten. Der Mietvertrag wurde nicht mehr verlängert, die Gebäude sollen abgerissen werden.

Das VAZ Hafen wird nach mehr als 24 Jahren geschlossen.

© Foto TT/Rudy De MoorDas VAZ Hafen wird nach mehr als 24 Jahren geschlossen.



Innsbruck – Keine Konzerte mehr, keine Flohmärkte und auch keine Partys: Im Innsbrucker Hafen geht mit Ende Juni nach gut 24 Jahren das Licht aus. „Der Mietvertrag wurde nicht mehr verlängert“, erklärt Betreiber Alfred Schmid im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung Online. „Die Schulschlussparty findet noch wie gehabt statt, dann ist zu unserem großen Bedauern Schluss.“ Bis Ende August müssen die Gebäude geräumt sein.

Der Grundeigentümer und Vermieter des Areals, die Inn-West Erschließungsgesellschaft, will die Hafen-Gebäude abreißen. An ihrer Stelle sollen unter anderem Büros, Cafés, Shops und studentisches Wohnen Platz finden, wie Grundeigentümer Peter Retter gegenüber der TT erklärt. „Die gesamte Umgebung hat sich baulich verändert, da wollen wir mitziehen.“ Architekt Rainer Köberl hat demnach bereits vor längerer Zeit eine Studie zur Entwicklung des Stadtteils bei der Stadt eingereicht.

Internationale Musikgrößen wie Slayer, Patti Smith oder The Cure fanden im Hafen genauso Platz wie heimische Künstler. Im Bild das österreichische Duo Seiler & Speer.
Internationale Musikgrößen wie Slayer, Patti Smith oder The Cure fanden im Hafen genauso Platz wie heimische Künstler. Im Bild das österreichische Duo Seiler & Speer.
- Andreas Rottensteiner / TT

Schmid bedauert Ende eines „einzigartigen Projekts“

Für Schmid, der den Hafen seit seinen Anfängen im Jahr 1995 betreibt, kommt das Aus nicht unerwartet. „Der Vertrag wurde von Anfang an immer nur für zwei Jahre verlängert.“ Man habe gelernt, mit dem Damoklesschwert zu leben. „Dass es jetzt tatsächlich vorbei ist, macht uns dennoch wahnsinnig traurig“, sagt Schmid, der den Hafen mit seinen multikulturellen Veranstaltungen als „einzigartiges Projekt in Österreich“ bezeichnet. „Wir sind ein Ort ohne Hemmschwelle, der viel Platz für alle bietet und wo man auch einmal ein bisschen laut sein darf. Für größere Veranstaltungen von Randgruppen gibt es künftig wohl keinen Platz mehr“, sieht der Betreiber eine Lücke in der Innsbrucker Kulturszene entstehen. Seit 1995 habe man im Hafen mehr als sieben Millionen Besucher gezählt.

Ob das Aus Konsequenzen für geplante Veranstaltungen hat? „Wir haben den Veranstaltungspartnern immer offen gesagt, dass eine Mietvertragsverlängerung ansteht. Unvorhersehbare Überraschungen gibt es somit für niemanden“, so Schmid.

Was die Zukunft und mögliche Alternativen für das Veranstaltungszentrum anbelangt, habe man ein „gutes Gespräch“ mit Bürgermeister Georg Willi (Grüne) und der Stadt Innsbruck geführt. „Der Wille ist da“, glaubt Schmid, dem etwa die Olympiaworld oder die Innsbrucker Messe als Alternativen vorschweben. Anfang Mai soll es weitere Gespräche mit der Stadt geben.

Farbenfroh ging es am Hafen-Areal bei den Holi-Festen her.
Farbenfroh ging es am Hafen-Areal bei den Holi-Festen her.
- Jan Hetfleisch

Parkplatz wird aufgelassen

Zündstoff birgt wohl noch die Auflassung des großen Parkplatzes am Gelände. Auch dieser soll nach einer Übergangszeit geschlossen werden. Die Mieter – darunter etwa zahlreiche Mitarbeiter des nahegelegenen Ausbildungszentrum West (AZW) – müssen sich wohl bald um neue Abstellplätze für ihre Fahrzeuge bemühen. (ema, mark)

Auch der große Parkplatz wird aufgelassen.
Auch der große Parkplatz wird aufgelassen.
- Foto TT/Rudy De Moor