Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.04.2019


Musik

Frohbotschaft schlagfertig überbracht

Neue Musik mit dem formidablen Orchester Windkraft als Einstimmung auf die Osternacht in Hall.

Dirigent Kasper de Roo (ganz links) verbringt einen entspannten Abend. Vor ihm sitzt Windkraft, ein Orchester auf hohem Niveau.

© malyshevDirigent Kasper de Roo (ganz links) verbringt einen entspannten Abend. Vor ihm sitzt Windkraft, ein Orchester auf hohem Niveau.



Hall – Draußen in der Haller Altstadt verkündet freudiges Geläut von Kirchenglocken, eben zurück aus Rom, die Botschaft der Osternacht. Zur selben Zeit, Zufall oder nicht, hämmert beim Osterfestival im Salzlager das Orchester Windkraft dieselbe frohe Message mit jedem zur Verfügung stehenden Schlagwerk in Richtung Zuhörer: Das Leben ist stärker als der Tod.

An manchen Stellen gerät der geschlagene Sound derart voluminös, dass sogar Ensemblemitglieder in Deckung gehen und sich die Ohren zuhalten. Olivier Messiaens monumentales Orchesterwerk „Et exspecto resurrectionem mortuorum“ („Und ich erwarte die Auferstehung der Toten“) aus dem Jahr 1964 wird zum kraftvollen Statement des christlichen Glaubens und des Glaubens an die Versöhnung der Völker.

Schon wenige Stunden später sollte eben dieser Glaube durch Terroranschläge in Sri Lanka wieder auf die Probe gestellt werden.

Unter der Leitung von Dirigent Kasper de Roo vereint Windkraft seit 20 Jahren eine Selektion vorzüglicher Musiker aus Tirol und Südtirol, mit Schwerpunkt Blech- und Holzblasinstrumente. Neue Musik weit abseits des Mainstreams ist bei diesem Orchester Programm. Beim Konzert am Karsamstag sind es Klangstudien und Tonexperimente von Edgar Varèse und Giacinto Scelsi. Musik, die wie die Entladung von Gefühlen und Emotionen wirkt.

Zu Galina Ustvolskayas Symphonie Nr. 5 „Amen“ rezitiert Sprecherin Eleonore Bürcher das „Vater unser“. Dermaßen beschwörend und unter die Haut gehend hat man dieses Standardgebet noch selten gehört. (mark)