Letztes Update am Fr, 26.04.2019 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neues Album

Mit Cordula zum Amadeus: Josh. singt “Von Mädchen und Farben“

Am Donnerstagabend wurde der Wiener Musiker Josh. für den “Song des Jahres“ geehrt. Am Freitag erscheint sein Debütalbum. Ab Montag geht er mit “Mädchen und Farben“ auf Tour.

Josh. versucht seinen Erfolgskurs nach "Cordula Grün" mit weiteren Songs "Von Mädchen und Farben" fortzusetzen.

© Carina AntlJosh. versucht seinen Erfolgskurs nach "Cordula Grün" mit weiteren Songs "Von Mädchen und Farben" fortzusetzen.



Von Christoph Griessner, APA

Wien — Dorothea, Greta, Agathe und natürlich eine gewisse "Cordula Grün": Beim Wiener Musiker Josh. steht die Damenwelt offenbar hoch im Kurs. All diese Namen tummeln sich auf seinem heute, Freitag, erscheinenden Debütalbum, das er folgerichtig "Von Mädchen und Farben" getauft hat. Aber damit nicht genug: Die eingangs erwähnte Cordula brachte ihm am Donnerstagabend sogar einen Amadeus Award.

Freudentränen rannen Josh über die Backen, als er den Amadeus für den besten Song erhielt.
Freudentränen rannen Josh über die Backen, als er den Amadeus für den besten Song erhielt.
- APA/Neubauer

Kein Wunder, war der im Vorjahr veröffentliche Song doch ein waschechter Hit, der sich in Österreich und Deutschland nicht nur hartnäckig in den Charts hielt, sondern auch in den diversen Bierzelten gern und oft gespielt wurde. Der — wenngleich etwas fragwürdige — Ritterschlag folgte im Oktober, als "Cordula Grün" in München zum Wiesn-Hit 2018 gekürt wurde. Ob Josh., der eigentlich Johannes Sumpich heißt, sein am Donnerstag im Wiener Volkstheater in Empfang genommene Amadeus für den "Song des Jahres" mehr freut, sei einmal dahingestellt.

Schunkelsongs und nachdenkliche Analysen

Ohnehin hat der Sänger und Songwriter mittlerweile andere Sorgen, könnte man überspitzt formulieren. Denn nun gilt es, das zehn Songs starke Album zu bewerben. Musikalisch knüpft er dafür an etablierte Muster an, lässt in seinen Popsongs schon mal eine Gitarre jaulen, schreckt nicht vor dem Wörtchen "scheißegal" zurück und weiß sein Wiener Idiom gekonnt einzusetzen. "Sowieso" wird dank Schunkelgestus wohl erneut in feuchtfröhlichen Runden für Begeisterung sorgen, "Reden" ist eine leicht nachdenkliche Analyse des Zwischenmenschlichen und "Eskalation" straft seinen Namen Lügen, jedenfalls was die instrumentale Ausgestaltung betrifft.

Und sonst? Funktionieren die Songs von Josh. ohne größere Umwege und sind wohl das, was gemeinhin als hemdsärmelig beschrieben wird. Sie drängen sich nicht auf, haben aber genug Charme, um nicht sofort in der Masse unterzugehen. Gleichzeitig setzt sich Josh. damit zwischen die Stühle und ist doch ein perfektes Beispiel für den Zeitgeist: Pop und Alternative sind längst keine Gegensätze mehr, sogar das Schlagereske schleicht sich bei Zeiten ein und stört die musikalische Melange nur unmerklich.

Aber Hits lassen sich eben nicht planen, sondern passieren einfach. Ob in dieser Hinsicht "Cordula Grün" bald abgelöst wird - vielleicht von "Dorothea von früher" -, muss sich erst weisen. Der Albumopener hat jedenfalls das größte Potenzial, um Josh. auch im Jahr 2019 reichlich Aufmerksamkeit zu bringen. Unabhängig davon ist der Sänger ab kommender Woche auf Tour durch Österreich - ganz ohne Bierzeltmief, dafür mit Amadeus in der Hinterhand.