Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.04.2019


Musik

Erstes Album von „Josh.“: Schmusen ohne Raunzen

Nach dem Überhit „Cordula Grün“ folgt mit „Von Mädchen und Farben“ das erste Album von „Josh.“. Im Mai ist das auch in Innsbruck zu hören.

„Josh.“ freut sich, wenn seine Songs ankommen. Egal, ob im Bierzelt oder beim Clubkonzert.

© Warner Music„Josh.“ freut sich, wenn seine Songs ankommen. Egal, ob im Bierzelt oder beim Clubkonzert.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Er hatte es sich eigentlich fest vorgenommen. Er wolle keine Träne vergießen, sollte er bei der Amadeus-Preisverleihung auf die Bühne geholt werden. Und dann passierte es letzte Woche doch, überwältigt davon, dass sein Hit „Cordula Grün“ zum Song des Jahres gekürt wurde, blieb ihm die Stimme fast weg. Für Johannes Sumpich ist der Amadeus eine besondere Ehre, ist er so viel Aufmerksamkeit aus seinem Heimatland doch gar nicht gewohnt. „Cordula Grün“ brachte „Josh.“, so nennt sich Sumpich als Musiker, doch vor allem in Deutschland die höchsten Chartplätze ein. Nebenbei wurde der Song auch noch zum musikalischen Leitmotiv von Fasching und Oktoberfest zugleich.

Mit seinem neuen Album, das seit vergangenem Freitag im Handel ist, will es Josh. nun aber endgültig wissen. Er will beweisen, dass da nach „Cordula Grün“ noch mehr geht. Trotzdem überschreibt der Musiker das Album mit dem eindeutigen Verweis „Von Mädchen und Farben“. Denn Josh. hat kein Problem damit, dass sein Hit auf der Wiesn gleich wie in jeder Après-Ski-Hütte auf- und abgespielt wird: „Musik war das, was ich immer machen wollte. Jetzt damit erfolgreich zu sein, fühlt sich gut an“, meint der 32-Jährige im Gespräch.

Angefangen hatte Sumpich – wie so viele – mit der Gitarre. Schon daheim wurde viel gesungen, erzählt Josh. „Aber nicht wie in der Kelly Family“, lacht der Wiener. Natürlich war das der Nährboden für eine Schulband, ein Jazzgitarre- bzw. Gesangspädagogik-Studium folgte. In gleich mehreren Combos dreschte Sumpich in dieser Zeit in die Saiten. Schon bald war das aber nicht mehr genug, der Musiker wollte selbst Musik schreiben. So wurde aus Sumpich Josh., aus Gitarre Mikrophon, aus allzu schwierigem Jazz begeisternder Pop. Josh. absolvierte und gewann Radiowettbewerbe, die erste EP mit der Single „Wenn du jeden“ erschien 2017.

Aber erst die Huldigung einer gewissen „Cordula Grün“ schlug richtig ein. Und mit „Von Mädchen und Farben“ erzählt der Wiener nun noch von anderen Mädls, die durch sein Leben gingen. Grundehrlich scheinen die zehn Songs, die der Musiker auf seine Platte packt; da passieren die großen Gefühle gleich wie die große Enttäuschung. Wienerisch geraunzt wird selten, auch wenn Josh. sich nicht für direkte Worte geniert. Assoziationen zu Faber werden wach – auch aufgrund der kratzbürstigen Stimme, die Josh. immer wieder mal freilässt. Ganz so drastisch wie der Schweizer Singer-Songwriter ist der Wiener dann aber doch nicht, wenn es bei „Vielleicht“ etwa heißt: „Ich will mit deinen Worten schmusen.“

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In den zehn Songs „Von Mädchen und Farben“ wird überhaupt viel geschmust: Mit Dorothea, Greta, Agathe oder einfach dem nächsten Du. „Ich wollte mutig sein und etwas über Beziehungen schreiben“, meint Josh. dazu. „Für mich ist es mutig, wenn man über Beziehungen schreiben kann. Über erlebte und fiktive.“

Am ehrlichsten scheint Josh. aber bei „Ich spiel“ zu sein, wo sich der Fokus hin zum eigenen Ich dreht. Ein Ich, das mit 32 Jahren, während „andere schon Häuser bauen“, noch „weiter Scheiße“ baut. Ja, bei Sumpichs Texten hört man gerne hin. Stilistisch bleibt er in „Von Mädchen und Farben“, wie schon „Cordula Grün“ ankündigte, dem soliden Gitarrenpop verhaftet. Überraschungen gibt es kaum. Dass eines der erwähnten Mädchen für den nächsten Überraschungshit sorgt, ist aber durchaus möglich.

Pop Josh.: Von Mädchen und Farben. Warner Music. Live: 17. Mai, Treibhaus Innsbruck.