Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Bezirk Imst

Al Di Meola beim Tschirgart Festival in Imst: Der König bin ich

Großgitarrist Al Di Meola versteckte seine Virtuosität beim Tschirgart Festival in Imst hinter unnötigen Effekten. Dafür trumpfte die Vorband „Kinga Glyk“ groß auf.

Al Die Meola stand in Imst mit reduzierter Begleitband auf der Bühne und spielte sich durch sein umfangreiches Repertoire.

© Thomas Boehm / TTAl Die Meola stand in Imst mit reduzierter Begleitband auf der Bühne und spielte sich durch sein umfangreiches Repertoire.



Von Luca Gasser

Imst – Freitagnacht in Imst. So hätte man Al Di Meolas Konzert im Imster Glenthof überschreiben können. Frei nach dem Album „Friday Night in San Francisco“ (1981), einer Kooperation Di Meolas mit John McLaughlin und Paco de Lucia. Dem 2014 verstorbenen de Lucía widmete Di Meola mehrere Nummern: „Songs für Paco“, zum Beispiel die begeisternde Zugabe „Mediterranean Sundance“.

Der Gitarrenvirtuose war am Freitagabend der dritte große Act des Tschirgart Jazz Festivals in Imst. Begleitet wurde er nur von Kemuel Roig am Piano und Fausto Beccalossi am Akkordeon. Das Trio spielte sich durch Meolas eigenes großes Repertoire. Zudem interpretierten die Musiker Lieder von den Beatles („Norwegian Wood“) und Tangos von Astor Piazzola.

Das Ergebnis ist anspruchsvoller Jazz mit Weltmusik-Einflüssen. Die drei Weltmusiker spielten derart schnell derart viele Noten, dass manche Lieder überfrachtet wurden. Wenn Meola die Saiten so kurz anspielt, dass sie fast keine Zeit zum Schwingen haben, ziehen sich seine Mundwinkel konzentriert nach unten: „Ultra high speed finger picking.“ Die technische Versiertheit ist faszinierend. Beccalossis Akkordeon bringt eine folkloristische Note ins Arrangement. Trotz der mehr als 40-jährigen Musikgeschichte und vielen diversen Kollaborationen herrschte zurückhaltende Kammermusik vor. Das liegt auch an Di Meolas letztem Album „Opus“ (2018), in dem er sich auf seine kompositorischen Fähigkeiten besinnt. Dabei könnte sein Set mehr. Bei drei Soli gleichzeitig geht die Struktur verloren. Eine ordnende, die virtuose Spiellust rhythmisierende Perkussion hätte sicher keinen Schaden angerichtet. Im Gegenteil.

Unnötig und störend ist der Effekt, den Al Di Meola konstant über seine Gitarre legt. Ein hoher Oktaver, der zu jeder Note einen kitschig-süßlichen Hall erklingen lässt. Ein Ton wie von billigen Entspannungs-CDs oder Panflöten von Straßenmusikern. Nicht ganz so störend, aber ähnlich überflüssig ist auch der Verzerrer, der manche Soli weit in die 1980er-Jahre zurückwirft. Das ist schade: Statt des billigen Effekts wäre vermutlich eine richtige E-Gitarre besser gewesen.

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Als dicke Empfehlung stellte sich die Vorband Kinga Glyk heraus. Mit einer jungen Bassistin aus Polen, die den Groove wortwörtlich auf die Bühne stampfte. Zusammen mit ihren Kollegen an Keyboard und Drums stimmte sie den Glenthof ein. Mit kompaktesten Rhythmen und eingängigen Jazz-Rock-Nummern. Kinga Glyk selbst spielt den Bass als Solo-Ins­trument. Und obwohl sie spielt, als hätte sie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, ist der Auftritt beseelt. Überbeseelt sogar: Die Ballade „Hope“ etwa widmet sie Jesus Christus, „meinem Erlöser und Heiland“.

Al Di Meola betrat danach erst die Bühne, als das Publikum vorausapplaudierte. Im Bühnenhintergrund hing ein großes Transparent mit Albumcovers und Porträts. 15-mal Al Di Meola. Meist tief versunken in Denkerpose. „Opus“, Di Meolas jüngstes Werk, ziert ein güldenes Wappen: der selbst gekrönte Gitarrenkönig. Für seine Musik wird Al Die Meola gefeiert. Auch von sich selbst.




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