Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 19.05.2019


Konzert

Josh. im Treibhaus: Gemacht, um allen zu gefallen

Der Wiener Josh. gastierte am Freitag im Treibhaus Innsbruck. Ein Abend voller professioneller Liebe.

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© Luca Gasser



Von Luca Gasser

Innsbruck – Der Shootingstar des Mainstreams verwandelte das Treibhaus in eine Dorfdisko. Josh. sei noch sehr aufgeregt gewesen, als er im Sommer 2018 seinen Hit „Cordula Grün“ im Ö3-Studio vor einer Handvoll Menschen spielte. Er durfte sich nur nicht vorstellen, dass gleichzeitig „knapp eine Million Mensche­n über Radio zuhört“. Plötzlich wird seine Musik in jeder Skihütte und Dorfdisko gespielt, und er spielt im Treibhaus. „Mit einer Galerie, das hatte ich noch nie.“ Der Auftritt bei Ö3 war der Startpunkt für den „Traum, den ich irgendwie leben darf“.

Der Traum, das ist die Tour durch Deutschland und auch ein bisschen Österreich. Der Durchbruch, den sich der Musiker aus Wien immer gewünscht hat. Die Musik klingt genau so. Gemacht, um allen zu gefallen. Zwei Gitarren, Bass, Piano, Schlagzeug sauber gespielt. Das heißt auch absolut glatt, ohne Innovation oder Irritation, die das Set hätte spannend machen können. Gitarren-Austropop mit Schlagseite zum Schlager. Dazu singt Johannes Sumpich alias Josh. in gepresster Stimme und mit Wiener Dialekt. Eine Mischung aus Annenmaykantereit, Wand­a und Andreas Gabalier. Eine Raucherstimme für Nichtraucher.

Leider lassen sich auch die Texte verstehen, oder besser der Text. Der handelt nämlich bis auf ein Lied ausschließlich von Josh.s Beziehungen zu Frauen: „Ich hab’ mein Herz immer noch bei dir. Wenn ich hier bin, tut’s noch weh.“ Dem Interesse am anderen Geschlecht widmet Josh. gleich sein ganzes, eben erschienenes Debütalbum „Mädchen und Farben“.

Keine Ahnung, wo die Farben sind. Die Mädchen dort heißen Dorothea, Greta, Agathe und Du. Das wichtigste Mädchen in Josh.s musikalischer Sammlung hat sogar einen Nachnamen, der gleichzeitig eine Farbe ist! Cordula Grün! Der Name, der landesweit Herzen höherschlagen und alle Altersklassen lauter grölen lässt.

So auch im Treibhaus. Cordula Grün – sie zieht nicht nur Josh. in den Bann. Warum, und wer Cordula überhaupt ist, bleibt mythisch verborgen. Immerhin hat nur Josh. sie „tanzen gesehen.“ Weil sie so gut ankommt, wird „Cordula Grün“ nochmal als Zugabe besungen. Mit ebenso viel Kreischen wird nur die Single „Vielleicht“ empfangen. Ansonsten blieb das Publikum verhalten, wenn auch zahlenstark.

Eine Besonderheit gab es dann doch, als Josh. und seine Band sich mitten im Zuschauerraum versammelten und eine akustische Coverversion von „Don’t Let Me Down“ von den Beatles zum Besten gaben. Ebenso überzeugend war auch das Cover von Rakedes „Jetzt gehst du weg“. Alles hochprofessionell gespielt. Seine besten Lieder waren leider fremde Lieder.




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