Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Musik

Manege frei für brodelnde Exitstrategien

Seit 30 Jahren trägt das Stromboli zur kulturellen Vielfalt in Hall bei. Seinen Geburtstag feiert der Kulturvulkan mit einer ganzen Zirkusgruppe.

Der „Circo Paniko“, eine italienische Artistengruppe, schlägt anlässlich des Stromboli-Jubiläums das erste Mal seine Zelte in Österreich auf.

© Circo PanikoDer „Circo Paniko“, eine italienische Artistengruppe, schlägt anlässlich des Stromboli-Jubiläums das erste Mal seine Zelte in Österreich auf.



Hall i. T. – Alle fünf Jahre darf ausgiebig gefeiert werden. „Da darf der Kulturvulkan in Hall wieder brodeln“, meint Stromboli-Chefin Julia Mumelter. Heuer, noch genauer ab heute, feiert das Stromboli mit „#kon.serviert“ sein 30-jähriges Bestehen. Und schlägt damit zugleich eine Brücke in Richtung Gründungsjahr 1989.

Auch die diesjährige Info­broschüre erinnert sich gern zurück: Damals, als die Mauer fiel und David Hasselhoff und Milli Vanilli den österreichischen Charts nacheinander Nummer-eins-Hits bescherten, wurde der langgehegte Wunsch, in Hall einen Ort für zeitkulturelle und unkonventionelle Inhalte zu schaffen, Realität. „Raus aus der Konserve“ wurde zum Leitspruch des eben eröffneten Stromboli. „#kon.serviert“ greift das nunmehr 30 Jahre alte Bekenntnis zur Offenheit auf und fragt in Zeiten von neokonservativen Trends nach Exitstrategien. „Wir lassen uns nicht konservieren“, meint Mumelter.

Dazu hat sie, Tochter des treibenden Gründungsmitglieds Brigitte Mumelter und seit 2002 Stromboli-Geschäftsführerin, mit ihrem Team ein buntes Programm zusammengestellt. Ein ganzes Zirkuszelt steht für das 30-Jahr-Jubiläum bereit. Hier gastiert bis zum Sonntag nicht nur „Circo Paniko“, eine italienische Zirkusgruppe mit bis zu 20 Artisten, hier finden u. a. Konzerte statt. Zu den „Stars in der Manege“ zählen etwa Die kleinste Big Band der Welt, Marina and The Kats oder das grenzüberschreitende Gypsy-Swing-Chanson-Jazz-Pop-Punk-Quartett Fainschmitz, das – gleich wie „Circo Paniko“ – zum ersten Mal Hall besucht.

Aber auch das Hauptquartier in der Altstadt wird bespielt: Mit „What The Franz?“, einem experimentellen Quizshow-Konzept, fischt man abseits von Musik nach Unterhaltung. Genau wie beim „Tirila Holln“, dem „Hallischen Dorf“ am Kurhaus-Vorplatz, wo sich die heimische Kunstszene austoben darf, u. a. Stephan Pirker.

Einzig das Konzert „Louie Austen“ und „The Waz Exp.“ musste verschoben werden. Sonst läuft alles nach Plan, meint Mumelter. Leistbar werden die Zusatzveranstaltungen u. a. durch den Fördertopf „TKI open“, den das Stromboli dafür anzapfen darf. Wie es weitergeht? Natürlich in gewohnter Manier. Es gebe durchaus auch Lust auf experimentellere Musik und kritische Veranstaltungen, meint Mumelter. „Es muss aber immer zu uns und zu Hall passen.“