Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Musik

Wenn die Geige mit dem Synthesizer

Das Radio.string.quartet.vienna sorgte für einen fulminanten Auftakt der Reihe „Ton in Ton“ 2019.

Da sitzt jeder Ton: Das Radio.string.quartet.vienna eröffnete am Mittwoch die Veranstaltungsreihe „Ton in Ton“ in der Tonhalle der BTV.

© BTVDa sitzt jeder Ton: Das Radio.string.quartet.vienna eröffnete am Mittwoch die Veranstaltungsreihe „Ton in Ton“ in der Tonhalle der BTV.



Innsbruck – Es knarzt und hallt und loopt. Und das, obwohl da ein zunächst klassisches Streichquartett auf die Bühne tritt. Beim Radio.string.quartet.vienna finden sich zwei Violinen (Bernie Mallinger und Igmar Jenner), eine Viola (Cynthia Liao) sowie ein Cello (Sophie Abraham) vor dem Publikum ein. So weit, so klassisch. Sobald allerdings der erste Ton erklingt, werden alle Klischees über Bord geworfen.

Kein Wunder, haben die vier Musiker neben ihren traditio­nellen Instrumenten doch mindestens so viele Effektgeräte auf dem Boden verkabelt wie eine durchschnittliche Rockband. Folglich sind die Klänge ungewöhnlich und fordern Instrument, Publikum und Musiker heraus; und die Kompositionen schöpfen meisterhaft aus unterschiedlichen Genres – bei Weitem nicht nur aus dem Jazz.

Für diese Bandbreite wurde das 2004 gegründete Quartett bekannt. Und in den vielen Eigenkompositionen der Musiker hagelten die unterschiedlichen Einflüsse auf das Publikum ein. Gleich mehrere Nummern entstammten der Platte „In Between Silence“, die 2017 erschien. So etwa das teilweise orientalisch anmutende „The World According to Hugo and Jun“ oder das fulminante „Toto“. Atmosphärischer Höhepunkt war „Book of Love“.

Absolut beeindruckend sind die völlig anderen Zugänge zum Instrument: Die Geige wurde nicht nur mit dem Bogen bearbeitet, sondern auch mit Fingern gezupft oder der Resonanzkörper als Rhythmusapparat verwendet. Die Klänge werden zusätzlich durch technische Hilfsmittel gejagt, die die Violine mal zur E-Gitarre, mal zum Synthesizer machen. Wenigstens klanglich.

Am experimentellen Ansatz des Quartetts war auch Gögl für seine Konzertreihe interessiert. Ist die doch heuer „Zwischen Wurzel und Wagnis“ überschrieben. Dazu passte auch das gestrige Konzert von Quercus, in dem Sängerin June Tabor Folk mit Jazz verband sowie das heutige Abschlusskonzert des WuWei Trios, in dem die Sheng, ein traditionelles asiatisches Instrument, in Klangfarben westlicher Orchesterinstrumentierung umfärbt. (bunt)