Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Musik

Zählfehler beim ESC: Deutschland rutscht ab

Vom drittletzten auf den vorletzten Rang: Das Duo S!sters hat mit seiner Nummer „Sister“ noch schlechter als bisher bekannt abgeschnitten.

Schwestern im Geiste: Laura Kästel und Carlotta Truman hatten sich erst kurz vor dem ESC kennengelernt.

© AFPSchwestern im Geiste: Laura Kästel und Carlotta Truman hatten sich erst kurz vor dem ESC kennengelernt.



Berlin – Deutschland hat beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv noch schlechter abgeschnitten als bisher gedacht. Das Duo S!sters, das in Israel am vergangenen Samstag seinen Song „Sister“ präsentiert hatte, rückt nach einer erneuten Berechnung nun vom drittletzten auf den vorletzten Platz der Finalisten. Schuld ist ein Zählfehler durch „menschliches Versagen“. Das teilte der internationale Ausrichter, die Europäische Rundfunkunion EBU in Genf, am Mittwochabend mit – erst rund vier Tage nach dem eigentlichen Finale vom Samstagabend in Tel Aviv.

Hintergrund war die Disqualifikation – schon vor dem Finale – der weißrussischen Jury, die ihre vergebenen Punkte ausgeplaudert hatte. Weil deren Jury-Ergebnis nun im Finale nicht mehr zählte, hatte die EBU ein „Ersatzergebnis“ berechnen lassen, einen Mittelwert mit Daten vergleichbarer ESC-Nationen. Bei dieser Berechnung sei „aufgrund menschlichen Versagens“ aber ein falsches Endergebnis zustande gekommen.

Keine Folgen hatte der Zählfehler für den ESC-Sieger, den Niederländer Duncan Laurence (25, „Arcade“) und die Künstler auf den Plätzen zwei, drei und vier. Auf den letzten Plätzen gibt es allerdings sogar einen Tausch: Weißrussland (Zena mit „Like It“) landet auf dem drittletzten Rang, Deutschland auf dem vorletzten. Unangefochten Schlusslicht des ESC 2019 ist und bleibt allerdings der Brite Michael Rice („Bigger Than Us“).

Die EBU und ihre Partner bedauern den Fehler nach eigenen Angaben zutiefst. Nach der Bekanntgabe ließen die Reaktionen aber nicht lange auf sich warten. Der Fanblog „ESC kompakt“ bezeichnete den Vorgang als „peinlich“ und „ziemliche Schmach für die EBU“. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), innerhalb der ARD für den ESC zuständig, wollte den Fehler und das damit verbundene weitere Abrutschen von S!sters gestern nicht kommentieren. Schon wenige Stunden nach dem ESC hatte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber zugegeben, dass sich das neue Auswahlverfahren in diesem Jahr nicht als erfolgreich erwiesen habe. „Leider haben wir international nur wenige überzeugen können“, sagte er laut einer Mitteilung. Das schlechte Abschneiden dürfte sich nun auf den künftigen Auswahlprozess für die deutschen ESC-Teilnehmer auswirken. „Für 2020 werden wir den Weg, auf dem Deutschland sein Lied und seine Künstler sucht, überdenken“, so Schreiber weiter. 2018 war auf dem gleichen Weg Michael Schulte ausgewählt worden. Er belegte mit seinem Lied „You Let Me Walk Alone“ Platz 4.

Ganz anders handelte Österreich. Auch wenn die diesjährige Kandidatin Pænda mit ihrer Nummer „Limits“ bereits am Halbfinale scheiterte, will der ORF nach wie vor an seiner Expertenjury festhalten. Noch im letzten Jahr hatte sich die Meinung der Jury rund um Song-Contest-Scout Eberhard Forcher bewährt: Cesár Sampson mit „Nobody But You“ belegte 2018 in Lissabon noch vor dem deutschen Konkurrenten Michael Schulte den dritten Platz. Nach der Tradition soll der ESC 2019 in den Niederlanden stattfinden. (dpa, TT)