Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.06.2019


Tirol

Hermann Delago: Musikalisch fast überall daheim

Hermann Delago liebt es als Kapellmeister rockig. Zwischenbilanz eines bewegten Musikerlebens.

Mit der Stadtmusik Landeck-Perjen gastiert Hermann Delago am 7. und 8. Juni am Lanser See.

© Günther EggerMit der Stadtmusik Landeck-Perjen gastiert Hermann Delago am 7. und 8. Juni am Lanser See.



Von Markus Schramek

Zams, Innsbruck – Oft musiziert er in Tracht, ist er doch zweifacher Kapellmeister. Auf Marsch oder Polka lässt er sich aber nicht festnageln. Hermann Delago verschmilzt Blasmusik mit Rock und Pop, groovig und gekonnt. Partystimmung ist bei seinen Konzerten die Regel. Kommenden Freitag und Samstag wird es am Ufer des Lanser Sees kaum anders sein. Dort gibt Delago mit der Stadtmusik Landeck-Perjen und Gästen zwei Open-Air-Konzerte (Beginn ist jeweils 20.30 Uhr. Info: www.lansersee.at/shop).

Programmatisch kündigt sich ein bunter Abend quer durch den Gemüsegarten an. Rockhits von Queen, Pink Floyd oder Led Zeppelin stehen auf dem Spielplan. Aber auch Standards der Klassik, von Richard Strauss oder Johann Sebastian Bach, wurden für Bläser umarrangiert.

62 Jahre hat Hermann Delago auf dem Buckel. Viele seiner Landsleute haben den in Ehren ergrauten Musiker schon live erlebt. Immer schon hat Delago seine Runden gezogen, weit über das heimatliche Zams hinaus.

Als Trompeter der Viller Spatzen brachte er es zu Beginn seiner Karriere auf 700 Auftritte. Dann folgten Tourneen mit der Combo Delago, einer erfolgreichen Coverband, bis hinein in die 90er-Jahre. „Wir konnten damals gut von der Musik leben“, erinnert sich der Bandleader.

1997 erfolgte die Zäsur. „Da beendete ich meinen Brotberuf als Musiklehrer am Land­ecker Gymnasium und löste die Combo auf“, erinnert sich der vielseitig Begabte. Gitarre, Klavier, Trompete und Schlagzeug hatte er sich selbst beigebracht, „ohne eine Stunde Unterricht“.

Delago machte sich auf zu neuen Ufern, bereiste die Welt, sog Einflüsse auf. „World Music“ wurde sein neuer Stil, der auf mehreren Tonträgern Niederschlag fand. Auf der indonesischen Insel Sumatra fand er ein zweites Zuhause.

Doch auch in der Heimat ist Delago höchst aktiv geblieben. Seit 30 Jahren ist er Kapellmeister der Perjener in Landeck, vor zwölf Jahren gesellte sich die Leitung der Stadtmusik Imst dazu. Eines der beiden Blasmusikorchester wird sich allerdings nach einen neuen Chef umsehen müssen, der Zeitaufwand ist einfach zu groß. Der Kapellmeister macht es spannend: „In einem Jahr werde ich eine der Musikkapellen abgeben, es ist noch offen welche.“

Delago ist in zweiter Ehe mit Dina, die aus Sumatra stammt, verheiratet. Mit ihr hat er zwei Kinder. Marita (16) ist Cellistin, Sohn Tobias (14) hat noch keine musikalischen Ambitionen.

Der Name Delago wurde in der Musikwelt auch international bekannt. Der 34-jährge Manu Delago, gefragter Schlagzeuger, Perkussionist und Könner auf der Handpan (mit der Hand gespielte Blechschalen), ist Hermanns Sohn aus einer früheren Beziehung. Die beiden haben nie unter einem gemeinsamen Dach gewohnt. Doch Musikalität ist auch eine Frage der Gene. „Ohne überheblich wirken zu wollen, höre ich bei Manus Kompositionen manchmal den Papa durch“, befindet Hermann.

Manu lebt in London, wenn er nicht gerade mit Stars wie der isländischen Sängerin Björk auf Tour ist. Gemeinsame Auftritte von Hermann und Manu sind selten.

Richtig ins Erzählen gekommen, erinnert sich Hermann Delago schmunzelnd an seine erste Band als Teenager Anfang der 70er-Jahre in Zams. Satisfaction of Night lautete der Name, holprig zwar, aber immerhin auf Englisch.

Delago saß am Schlagzeug. Die Rhythmusgitarre hatte ein gewisser Günther Platter umgeschnallt, damals Buchdruckerlehrling, später Gendarm, heute Landeshauptmann. Platter habe schon als Jungspund Wesenszüge des späteren Politikers gezeigt. Delago: „Günther war Schlichter und Diplomat, er wollte es allen recht machen.“

In der Pension will sich Delago in sein Haus in Indonesien zurückziehen und sich dem Komponieren widmen. Es kann aber auch sein, dass er ein Buch schreibt. Denn erlebt hat er viel. Mehrmals blickte er dem Tod ins Auge. Auf Ibiza wurde er ausgeraubt, in Los Angeles landete er kurzzeitig im Gefängnis, in Griechenland überlebte er einen Sieben-Meter-Absturz. „Nicht alles Erlebte ist aber auch druckreif“, sagt Delago vielsagend und lächelnd.


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